Erste Exil-Irakis verlassen US-Basis in Taszar

28. Februar 2003, 12:27
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Wurden in Ungarn für Krieg gegen Hussein und Aufgaben der "zivilen Kontaktaufnahme" zwischen irakischer Bevölkerung und US-Armee trainiert

Budapest - Exil-Iraker in Spezialuniform werden im ungarischen Fernsehen gezeigt. Sie sitzen in einem großen Zelt der US-Militärbasis im südungarischen Dorf Taszar, als "Lager des Friedens" bezeichnet. Ihre Gesichter sind unkenntlich, denn die Familien dieser Freiwilligen müssen geschützt werden vor dem irakischen Geheimdienst - so die offizielle Erklärung. Zunächst nahmen 50 Exil-Iraker an der Ausbildung teil. Sie trafen am 29. Jänner ein und sollen heute (Freitag) wieder abreisen. In knapp einem Monat wurden sie trainiert für einen Krieg gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein und Aufgaben der "zivilen Kontaktaufnahme" zwischen irakischer Bevölkerung und US-Armee. Insgesamt sollen 3.000 Personen ausgebildet werden.

Freiwillige aus allen Ecken der Welt

Die Freiwilligen kommen aus allen Ecken der Welt und wurden von irakischen Exilorganisationen ausgesucht. Aus Sicherheitsgründen gibt es keine weitere Information des amerikanischen Presseoffiziers, wann die neue Gruppe von Exil-Irakern eintrifft. Was hinter den hohen Betonmauern mit den Stacheldrahtkronen geschieht, interessiert die Bürger von Taszar nicht unbedingt. "Wir leben seit 1995 mit der Basis und den Amerikanern", erklärt Mihaly Toth. Angesichts der hohen Sicherheitsmaßnahmen sei die 2.000-Seelen-Gemeinde nun ohnehin das am besten geschützte Dorf von ganz Ungarn.

"Da kommt ab und zu ein Flugzeug - und das ist auch alles, was uns an die Amerikaner erinnert." Eine junge Frau mit Kinderwagen schimpft jedoch über das Verkehrsaufkommen im Dorf. Kleinbusse würden pausenlos zwischen Tazsar und der Komitatsstadt Kaposvar hin- und her rasen. Die Verkäuferin des kleinen Gemüseladens fühlt sich nicht ausreichend informiert. Über die Dorfstraße patrouilliert ein Geländewagen der ungarischen Polizei, als Teil der erhöhten Sicherheitsaufgaben. Auf einem Fahrrad radelt ein farbiger GI in Richtung Militärbasis, die von US- und ungarischen Soldaten gemeinsam bewacht wird.

Diskussionen über Krieg und Frieden

Im Kulturhaus in Taszar sitzen die Veteranen des Fliegervereins beieinander. Diskutieren über Krieg und Frieden. Sicher würde Bush den Irak angreifen, denn er habe ja bereits 200.000 Soldaten in der Region. Gestritten wird über die Gründe, sei es das Öl, das Bush wolle, oder der Wunsch, Europa zu spalten. Doch die alten Männer erinnern auch daran, dass Ungarn als NATO-Mitglied eben seine Verpflichtungen hätte.

In der ersten Etage sitzen die Flug-Veteranen, während unten im Saal des Kulturhauses ein Faschingsball von Schule und Kindergarten stattfindet. Viele Kinder in US-Uniformen, seit Jahren beliebte Maskerade bei Klein und Groß. Da zieht eine Gruppe von Jungen auf die Bühne - als Araber verkleidet. "Unsere Kinder sind up to date", meint stolz eine Lehrerin. Im Trubel des Faschingsballes dementiert eine Mutter Medienberichte, nach denen die Bürger von Taszar in Angst und Schrecken lebten.(APA)

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