Mordfall Pascal: Jugendschöffin unter Verdacht

28. Februar 2003, 21:27
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Eine Wirtin gilt als mutmaßliche Drahtzieherin des Kinderschänder-Rings - das Pflegekind sagte aus

Saarbrücken - Die 50-jährige Wirtin Christa W. gehört zu den zwölf Frauen und Männern, die unter Verdacht stehen (und teilweise schon gestanden haben), vor zwei Jahren den fünfjährigen Pascal sexuell misshandelt und umgebracht zu haben. Wie sich im Lauf der Erhebungen herausstellte, war sie zwischen 1997 und 2000 Schöffin für Jugendsachen am Amtsgericht von Saarbrücken. Der Sprecher des Amtsgerichts, Jochen Krüger, bestätigte am Freitag entsprechende Berichte im Internetmagazin Spiegel online.

Kinder verkauft

Christa W., Wirtin der Kneipe "Tosa-Klause" am Stadtrand von Saarbrücken, wird vorgeworfen, dort Kinder an Freier verkauft zu haben; darunter auch den heute achtjährigen Bernhard, für den sie vom Jugendamt als Pflegemutter eingesetzt war. Das geht laut Informationen von Spiegel online aus einem vertraulichen Bericht für den Rechtsausschuss des saarländischen Landtags vom 29. November 2002 hervor.

Demnach wurde Bernhard, der damals sechs Jahre alt war, im Haus seiner Pflegemutter nicht nur von Christa W., sondern auch von seiner eigenen Mutter, deren Lebensgefährten und vom Partner der Wirtin sexuell misshandelt. Der Bub habe unter anderem ausgesagt, er habe mit Christa W. Pornofilme anschauen und sie befriedigen müssen.

"Stillgestellt"

Durch diese Aussagen war die Polizei auf eine mögliche Verbindung zum Fall des vermissten Pascal gestoßen. Nach einer vorläufigen Rekonstruktion der Tat war der Fünfjährige am 30. September 2001 in der "Tosa-Klause" sexueller Gewalt ausgesetzt. Als er sich lautschreiend wehrte, wurde er laut Geständnis der Beteiligten "mit Gewalt stillgestellt, bis er sich nicht mehr rührte."

Vermutlich seien die Täter dann in Panik geraten, haben den Buben mit dem Auto über die nahe liegende Grenze nach Frankreich gebracht und dort in einer Sandgrube verscharrt. Die Suche nach Pascals Leiche soll nächste Woche wieder aufgenommen werden; sie sei allerdings schwierig, sagten die Ermittler, weil der Boden gefroren sei und die Hunde daher nur über zu bohrende Löcher überhaupt Witterung aufnehmen könnten. (AP, DER STANDARD Printausgabe 1.3.2003)

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