HVB: Aktionär zieht vor Verfassungsgericht

28. Februar 2003, 18:49
posten

Wirtschaftsprüfer KPMG soll BA-CA-Mutter gleichzeitig geprüft und beraten haben

München - Die deutsche Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Wengert AG hat Verfassungsbeschwerde gegen ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zur HypoVereinsbank AG (HVB), Mutter der Bank Austria Creditanstalt, erhoben. Der BGH habe zwar der Wengert AG als Kleinaktionärin der Bank Recht gegeben und die Wahl des HVB-Abschlussprüfers 1999 für nichtig erklärt, sagte Vorstand Georg Wengert am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht des "Spiegel". Jedoch habe der BGH in seiner Urteilsbegründung wesentliche Punkte der damaligen Klage nicht berücksichtigt, äußerte Wengert weiter.

Beispielsweise habe der BGH nicht zu seinem Antrag Stellung genommen, wonach eine Wirtschaftsprüfergesellschaft nicht gleichzeitig ein Unternehmen prüfen und beraten dürfe, erklärte Wengert weiter. Unter anderem will Wengert erreichen, dass die durch die Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG geprüften Jahresabschlüsse für nichtig erklärt werden. Wengert sieht einen Interessenskonflikt darin, dass KPMG einerseits die Jahresabschlüsse geprüft hat, andererseits aber Beratungsmandate bei der Bank hatte.

Wertberichtigungen im Brennpunkt

Hintergrund der Verfassungsbeschwerde ist ein BGH-Urteil vom November 2002, das einer Klage Wengerts statt gegeben hatte. Der Aktionär hatte die Einberufung der HVB-Hauptversammlung 1999 und die Wahl des Abschlussprüfers angefochten. Er hatte dagegen geklagt, dass die Wirtschaftsprüfer von der BDO zum Sonderprüfer sowie die von der KPMG zum Abschlussprüfer für 1999 bestellt worden waren. Die BDO sollte unter anderem die Wertberichtigungen von 3,5 Mrd. Euro bei der früheren Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank AG sowie die Modalitäten der Fusion mit der Bayerischen Vereinsbank AG prüfen.

In der Einladung zur damaligen HV hatten Aufsichtsrat und Vorstand den Vorschlag gemeinsam unterbreitet. Allerdings hätte laut BGH allein das Kontrollgremium den Beschlussvorschlag einbringen dürfen. Darüber hinaus hatte Wengert die HV-Beschluss angefochten, weil der gewählte Abschlussprüfer aus seiner Sicht wegen früherer Tätigkeit für die Bank befangen sei. Der BGH hatte ihm auch in diesem Punkt Recht gegeben. Über die Zulassung der Beschwerde habe das Verfassungsgericht noch nicht entschieden, sagte Wengert.

"Mit weiteren Überraschungen" ist zu rechnen

Deutsche Aktionärsschützer sehen auf die Münchner HypoVereinsbank (HVB), Mutter der Bank Austria Creditanstalt, auch weiterhin keine ruhigeren Zeiten zukommen. Besonders wegen ihres immensen Kreditportfolios sei die HVB in der Wirtschaftsflaute sehr anfällig. "Man muss vielleicht mit weiteren Überraschungen rechnen", sagte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) am Freitag.

In der allgemeinen Angst vor einer Bankenkrise in Deutschland sei der Bericht des "Handelsblatt" über die geplante Pflichtwandelanleihe der HVB auf besonders fruchtbaren Boden gestoßen. "Der Bericht passte in das Bild, dass die Aktionäre derzeit von der Bankenlandschaft haben", so Keitel.

Kapitalvernichtung

Der Kurs der HVB-Aktie war nach dem "Handelsblatt"-Bericht am Donnerstag um zeitweise 15 Prozent abgestürzt. Am Freitag erholte sich das Papier bis Mittag zwar um knapp zwei Prozent auf 8,77 Euro, vor einem Jahr wurde die im DAX notierte Aktie allerdings noch über 40 Euro gehandelt.

Bei der HVB-Hauptversammlung will die SdK nun den rasanten Kursverfall der Aktie in jedem Fall ansprechen. "Wenn man sich die Kursentwicklung der vergangenen Monate ansieht ist klar, dass dort bislang nur Kapital vernichtet worden ist", sagte Keitel. (APA/vwd)

Link

HVB

Share if you care.