Zwölf Jahre nach dem Golfkrieg: Neue Medienwelt im Irak-Krieg

28. Februar 2003, 11:27
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Internet hat als neue Informationsquelle wichtige Rolle - CNN- und Pentagon-Monopol gebrochen

Die Medienwelt hat sich seit dem Golfkrieg 1991 grundlegend geändert. Das Quasi-Monopol von CNN gibt es nicht mehr. Aber die neuen Konkurrenten garantieren laut einem Experten noch keine bessere Information über den drohenden zweiten Irak-Krieg.

Monopol

Der Konflikt im Jahr 1991 war geprägt durch die Berichterstattung des US-Nachrichtensenders "Cable News Network" (CNN). Die Informationen stammten fast ausschließlich aus dem Pentagon. Heute sei die Situation grundlegend anders, sagt Francois Heinderyckx, Medienspezialist an der Freien Universität Brüssel.

In den USA hat Fox News, eine Bush-nahe und sensationshungrige Station, CNN in der Zuschauergunst überholt. Der Sender CNN, der 1985 von Ted Turner gegründet wurde, verfügt aber immer noch über ein besseres Korrespondentennetz.

Aufholen

Fox News, das zum Imperium des australischen Magnaten Rupert Murdoch gehört, holt allerdings auch hier auf. Während der heißen Phase des Afghanistankonflikts 2001 warb Fox News einen CNN-Reporter in Kabul ab.

Die Konkurrenz zwischen beiden Ketten führe nicht zwingend zu größerer Meinungsvielfalt, erklärt Heinderyckx. Vielmehr könnte sich CNN gezwungen sehen, die erfolgreicheren Fox News zu kopieren. Die beiden US-amerikanischen Ketten sind außerdem vermehrt mit ausländischer Konkurrenz konfrontiert. Insbesondere der 1996 in Katar als Gegengewicht zu CNN lancierte arabische Sender Al Jazeera machte in den letzten Monaten von sich reden.

Internet

Eine weitere Neuigkeit im Vergleich zu 1991: Auch im Nahen und Mittleren Osten gibt es Internet-Seiten, die über das Geschehen im Irak und in den Nachbarländern berichten. Diese zusätzliche Informationsquelle könnte im neuen Konlikt eine wichtige Rolle spielen, vermutet Heinderyckx.

Die Medien seien heute besser vorbereitet, um dem Pentagon-Monopol auf Bildmaterial etwas entgegenzusetzen. Sie hätten mehrere Informationskanäle zur Verfügung, genügend Leute und Material vor Ort, erklärt der Soziologe. Außerdem sei "der Westen" weniger einig als seinerzeit. Die Medien, insbesondere in Europa, könnten alternativen Quellen gegenüber offener sein. Die Informationen der US-Generäle würden nicht mehr so unkritisch wiedergegeben. Heinderyckx glaubt nicht, dass sich die "explizite Zensur" aus dem Golfkrieg wiederholen wird.

Verwirrung

Auch wenn man eine ausgewogenere Berichterstattung erwarten könne, sei die Multiplikation von möglichen Quellen unter Umständen verwirrend. Radikal unterschiedliche Berichte über das Geschehen, könnten Zweifel an der Seriosität der Berichterstattung wecken. Es bestehe die Gefahr, dass sie "schizophren" wirke. Die Vielfalt werde wahrscheinlich "eine Kakophonie schaffen" und zu einer "intellektuellen Unsicherheit" führen, vermutet Heinderyckx.

Klassisch

Wie 1991 "werden sich die meisten Medien auf eine rein beschreibende Berichterstattung zurückziehen, die ihnen die Illusion einer großen Objektivität geben kann". Laut Heinderyckx drohen lange Ausführungen von Universitätsprofessoren, ehemaligen Generälen oder abgedankten Ministern. Das sei nicht der Weisheit letzter Schluss und könne zu Langweile beim Publikum führen. (Schluss)

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