Hoffen auf Neubeginn

28. Februar 2003, 19:49
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Neuer Konzernchef soll italienischen Autokonzern nach Rekordverlust aus der Krise führen

Turin - Unter der Führung des neuen Präsidenten Umberto Agnelli hofft der italienische Autokonzern Fiat nach einem Rekordverlust von 4,263 Mrd. Euro im Jahr 2002 jetzt auf einen Neubeginn. Bei der ersten Aufsichtsratsitzung unter dem Chef der Unternehmerdynastie Agnelli wurden die Resultate 2002 überprüft, die die schlimmsten Befürchtungen übertrafen. Analysten hatten für 2002 Verluste in Höhe von maximal 3 Mrd. Euro erwartet. Verringert hat der größte private Arbeitgeber Italiens seine Schuldenlast: Die Verschuldung des Turiner Konzerns sank dank der Veräußerung nicht-strategischer Töchter auf 3,8 Mrd. Euro.

Der operative Verlust belief sich auf 762 Mio. Euro. Im vierten Quartal konnte jedoch operativ die Gewinnschwelle erreicht werden, teilte der Konzern in Turin mit. Wenngleich der Nettoverlust der Gruppe im Schlussquartal noch gewaltig war. Die krisengeschüttelte Pkw-Branche schloss das letzte Quartal 2002 mit einem operativen Verlust von 180 Millionen Euro ab. Der Umsatz sank 2002 um 4 Prozent auf 55,6 Mrd. Euro.

Sanierung

Vorrangige Aufgabe von Umberto Agnelli, Bruder des im Jänner verstorbenen Fiat-Patriarchen Giovanni Agnelli, ist jetzt die Sanierung der hoch defizitären Fahrzeugsparte. Um die angeschlagene Automobilsparte sofort zu stützen, plant Fiat eine Finanzspritze von 3 Mrd. Euro. Insgesamt will der Konzern in den nächsten 18 Monaten eine Kapitalerhöhung von 5 Mrd. Euro über die Bühne bringen.

Neue Modelle

Große Hoffnung setzt der Konzern auf neue Modelle, die im September auf den Markt kommen. Wegen der hohen Verluste wird jedoch ein höherer Autoabsatz nicht genügen, um Fiat zu retten. Zur Eindämmung seiner Verschuldung will sich Fiat von seinen "Juwelen", der Versicherungsgesellschaft Toro und dem Flugzeugmotoren-Hersteller Fiat Avio, trennen, hieß es. Ein Abkommen zur Veräußerung von Fiat Avio sei bereits kurz vor dem Abschluss, Angebote seien auch für Toro eingetroffen, erklärte der Konzern.

Für die Versicherungsgesellschaft interessieren sich der italienische Versicherer Unipol mit der Finanzholding Opa sowie die Münchner Rück, hatten italienische Medien in den letzten Tagen berichtet. Der Verkauf der Fiat-Töchter ist der erste große Auftrag, mit dem sich die der neue Fiat-Geschäftsführer Giuseppe Morchio auseinander setzen muss. Der bisherige Fiat-CEO Alessandro Barberis rückte zum Vizepräsidenten auf. Dem Aufsichtsrat trat am Freitag erstmals auch der Chef des Sportwagenherstellers Luca Cordero di Montezemolo bei. Zu den zukunftsträchtigen Beschlüssen der Organsitzungen am Freitag zählt die Fortsetzung der Allianz mit dem amerikanischen Partner General Motors, der eine 20-prozentige Beteiligung an der Fiat-Autosparte hält. (APA)

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