Tourismus erholt sich erst nach Irak-Krise

28. Februar 2003, 10:42
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Die Reisebranche leidet unter einer "doppelten Krise": Konjunkturschwäche und Irak-Konflikt verändern die Reiseströme - "Aufholjagd" erst nach dem Ende der Irak-Krise

Hamburg/Hannover - Die angeschlagene Reisebranche wird sich nach Einschätzung des Hamburger Tourismusforschers Prof. Horst W. Opaschowski erst nach Ende der Irak-Krise erholen. "Die Menschen wollen abwarten, bis die kritische Zeit vorbei ist. Aber sie sitzen in den Startlöchern", sagte er in Hannover. Er rechne damit, dass fast zeitgleich mit dem Ende des Irak-Konflikts eine regelrechte "Aufholjagd" einsetze. "Der letzte Rauch aus den Kanonen wird noch nicht abgezogen sein, da stürmen die ersten schon wieder in die Reisebüros", so Opaschowski.

Zunahme von Kurz- und Wochenendreisen

Auch während der Irak-Krise würden die Menschen nicht auf Reisen verzichten, sagte der Leiter des BAT Freizeit- Forschungsinstituts. "Es gibt aber eine Umorientierung, die Reiseströme verändern sich." Neben einer Zunahme von Kurz- und Wochenendreisen innerhalb Deutschlands rechne er mit Umsteigern vom Flugzeug auf das Auto. "Am meisten werden die Länder profitieren, die Sonne garantieren und dennoch gut zu erreichen sind - wie zum Beispiel Italien oder Kroatien."

"Doppelkrise"

Die Reisebranche befinde sich derzeit in einer Doppelkrise, sagte Opaschowski. "Zum Irak-Konflikt kommt die Konjunkturkrise, die nach einiger Verzögerung auch im Tourismus voll eingeschlagen hat." Eine solche Doppelbelastung könne selbst eine so optimistische Sparte wie die Reisebranche auf Dauer nicht verkraften. "Bei den Menschen ist Bescheidenheit angesagt und gegen diese Grundstimmung ist nur schwer anzukommen." Der Trend zu Billigreisen sei eine Reaktion auf die schwache Wirtschaftslage. "Die Billig-Epidemie zieht sich durch alle Branchen."

Trotz der aktuellen Krise wird der Tourismus nach Ansicht Opaschowskis die größte Wachstums- und Zukunftsbranche bleiben. "Aber auch dieser Bereich muss mit Krisen leben lernen." Der Tourismus habe zweistellige Zuwachsraten nicht gepachtet. "Diese kommen zwar wieder. Die Anbieter müssen sich nur daran gewöhnen, dass diese Zuwächse nicht chronisch und nicht mehr auf Dauer angelegt sind." Schwankende Wachstumsraten sehe er als Zeichen für eine "gesunde Normalisierung. Einen Flächenbrand, der die gesamte Branche erfasst, wird es nicht geben." (APA)

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