Nordkorea hat Atomreaktor Yongbyon wieder in Betrieb genommen

28. Februar 2003, 17:59
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"Tiefe Sorge und Bedauern" in Seoul

Seoul - Nordkorea hat einen Reaktor in seiner größten Atomanlage wieder in Betrieb genommen und kann damit Plutonium für weitere Atombomben produzieren. Die Inbetriebnahme des Reaktors in Yongbyon wurde zuerst von den USA und Japan und etwas später am Freitag auch aus Kreisen des südkoreanischen Außenministeriums bestätigt. Die Regierung in Seoul äußerte "tiefe Sorge und Bedauern" über diesen Schritt des Nordens.

Der südkoreanische Wiedervereinigungsminister Jeong Se-hyun räumte am Freitag ein, dass die neue Regierung in Seoul durch die Atompolitik des Nordens erheblich unter Druck gesetzt werde. "Die neue Regierung steckt gleich zu Anfang in der Klemme", sagte er dem Radiosender KBS. Die jüngsten Manöver Pjöngjangs hätten anscheinend den Zweck, die USA zu direkten Verhandlungen über einen Nichtangriffspakt zu zwingen, sagte er.

Der chinesische Außenminister Tang Jiaxuan sagte nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Igor Iwanow, China sei offen für Vorschläge zur Lösung der Nordkorea-Krise. Entscheidend sei aber, dass es möglichst rasch zu direkten Gesprächen zwischen USA und Nordkorea komme. Auf das Verhalten Nordkoreas angesprochen sagte Iwanow am Freitag in Peking, bedrohliche Methoden seien keine Lösung.

Nordkoreas Zeitungen brachten am Freitag neue Vorwürfe an die Adresse der USA. In einem von der Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Kommentar der Regierungszeitung "Minju Joson" wurde den USA in Zusammenhang mit einem gemeinsam mit Südkorea veranstalteten Militärmanöver vorgeworfen, es erhöhe die Gefahr eines Präventivschlages gegen den Norden. Die Parteizeitung Rodong Sinmun sah in Washington "politische Schwachköpfe" am Werk, denen jeglicher Realitätssinn verloren gegangen sei.

Die Probleme bei der Bestätigung des Wiederanfahrens des nordkoreanischen Atomreaktors zeigen, welche Schwierigkeiten die internationale Gemeinschaft nach dem Wegfall der Kontrollen durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bei der Überwachung des nordkoreanischen Atomprogramms hat. Die ersten Berichte basierten auf Angaben des US-Geheimdienstes, der beobachtet haben wollte, dass Dampf aus dem Kühlturm des Reaktors austritt.

Nach Einschätzung der USA ist Nordkorea in der Lage, aus 8.000 früher gelieferten Brennstäben innerhalb weniger Monate fünf oder sechs Plutonium-Bomben zu bauen. In Washington wird vermutet, dass Nordkorea bereits über ein oder zwei Atombomben verfügt.(APA/Reuters/AP)

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    Archivfoto des Reaktors Yongbyon aus dem Jahr 1991

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