Mobilfunker investieren wegen niedrigerer Roaminggebühren weniger

8. November 2008, 14:56
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Telekom-Unternehmen haben binnen eines Jahres acht Prozent ihres Gewinns verloren - Investitionen gingen um 40 Prozent zurück

Über niedrigere Roaminggebühren freuen sich zwar die Handy-Kunden, aber nicht die Telekom-Unternehmen. Wegen der geringeren Gebühren wird nämlich nicht wesentlich mehr telefoniert und die Gewinne brechen weg. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Helmut Schmidt Universität Hamburg, über die das ORF-Radio am Freitag berichtet hat.

49 Cent je Minute für ausgehende Gespräche und 24 Cent für einlangende Gespräche

In zwei Schritten seien die Roaming-Tarife bisher auf Anordnung der EU-Kommission gesenkt worden. Im September des Vorjahres wurden 49 Cent je Minute für ausgehende Gespräche und 24 Cent für einlangende Gespräche vorgeschrieben, und zwar dann, wenn man mit einem inländischen Handy im Ausland telefoniert. Ein Jahr später ist dieser Preis nochmals um zwei Cent heruntergesetzt worden, in den nächsten Jahren soll es dann noch billiger werden.

Die EU-Kommission ging bei der Senkung davon aus, dass durch billigeres Handy-Telefonieren öfters und länger telefoniert wird. Unterm Strich sollte sich das dann für die Mobilfunkunternehmen ausgleichen, so die Annahme.

Die Zahl der aktiven Roaming-Minuten ist nicht einmal um vier Prozent gestiegen

Ob das tatsächlich so ist, habe Jörn Kruse, Telekom-Spezialist von der Helmut Schmidt Universität Hamburg, nachgerechnet, berichtete das ORF-Radio. Sein Ergebnis: Die Zahl der aktiven Roaming-Minuten ist nicht einmal um vier Prozent gestiegen, die Umsätze aus der Roaming-Telefonie sind hingegen um mehr als 40 Prozent zurückgegangen. Anders ausgedrückt: Die Telekom-Unternehmen haben acht Prozent ihres Gewinns verloren. In Österreich macht das 81 Mio. Euro aus. Die Investitionen sind in der Folge um rund 40 Prozent zurückgegangen.

Hochkompetitiv

Jede Preisregulierung hat mehrere Facetten, sagt Kruse: "Optisch sieht es natürlich so aus, als ob die Kunden einen Vorteil davon haben. Man muss nur einfach wissen, dass wenn der Gesamtmarkt hochkompetitiv ist - und das sind die Mobilfunkmärkte in vielen Ländern, auch ganz bestimmt in Österreich -, dann sind die Betreiber gezwungen, sich ihre Deckungsbeiträge, wenn sie sie nicht mehr bei Roaming machen können, auf anderen Märkten zu suchen. Insbesondere würden sie dann natürlich die entsprechenden Handy-Subventionen abbauen."

Die österreichischen Mobilfunkunternehmen sind nach eigenen Angaben von der Regulierung "besonders betroffen", weil sie einen Gutteil ihres Geldes mit den Tourismusgästen aus dem Ausland verdienen. (APA)

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