Strache: "Ein Indianer als US-Präsident wäre schön"

7. November 2008, 13:13
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FPÖ-Chef Strache im derStandard.at-Interview über den "präpotenten" Bürgermeister Häupl, Pietät im Fernsehen, seinen Lebensmenschen und warum er seine Waffe im Schrank versperrt

2010 will Heinz-Christian Strache Wiener Bürgermeister werden. Das ist allerdings noch lange nicht alles: "Das wäre eine Art Pilotprojekt für Österreich, um das dann auch einmal für das ganze Land sicherzustellen", sagt er im Gespräch mit derStandard.at. Der FPÖ-Chef sitzt deutlich entspannt in seinem Büro im Parlament. Hinter ihm Österreich-Fahnen, neben ihm ein riesiger Flat-Screen mit Teletext. Er hat bereits einen neuen Lebensmenschen für Petzner ausgemacht und unterstützt das Recht der Bürger auf Waffen. "Ich bin Waffenbesitzer, habe einen Waffenschein und manchmal gehe ich auf den Schießstand", sagt er. Die Fragen stellten Saskia Jungnikl und Rosa Winkler-Hermaden.

derStandard.at: Kommenden Freitag präsentieren Stermann und Grissemann ihre neue DVD. Würden Sie da hingehen?

Strache: Nein, nachdem ich mitbekommen habe, mit welcher Pietätlosigkeit die beiden Herren tätig geworden sind. Alles hat seine Grenzen. Es gibt Pietät und Anstand und was die beiden zum Besten gegeben haben, war letztklassig.

derStandard.at: Ihr Generalsekretär Harald Vilimsky fordert ein ORF-Verbot der beiden. Sollte Kabarett nicht Kabarett bleiben?

Strache: Kabarett hat den Auftrag, alles Mögliche kritisch zu beleuchten und bis zu einer gewissen Grenze hin auch zu überziehen. Aber in diesem Fall haben die beiden die Grenzen, was Anstand und Moral betrifft, überschritten. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist das sicher nicht tragbar.

derStandard.at: Die USA haben einen neuen Präsidenten gewählt. Glauben Sie, wäre Österreich bereit für eine Person mit Migrationshintergund als Präsident oder Kanzler?

Strache: Das ist eine völlig andere historische Entwicklung, die man mit der europäischen nicht vergleichen kann. Die Ureinwohner in Amerika sind Indianer. Es wäre schön, wenn ein Indianer Präsident der Vereinigten Staaten wäre. Das wäre gerecht. So handelt es sich bei Weißen als auch bei Schwarzen um Zuwanderer.

derStandard.at: Warum ist es in Österreich nicht üblich, dass Personen mit Migrationshintergrund ins Parlament einziehen? Derzeit gibt es nur eine Mandatarin – Alev Korun von den Grünen.

Strache: Weil sie sich offenbar bis dato nicht so politisch aktiviert oder interessiert und nicht ausreichend ins politische Leben eingebracht haben. Wir haben in der FPÖ auf den unterschiedlichsten Ebenen exzellent integrierte Personen – Neoösterreicher, die die österreichische Staatsbürgerschaft haben und vormals Zuwanderer waren.

derStandard.at: Dass es zu einer Neuauflage der Großen Koalition kommen wird, ist nur noch eine Frage von Wochen. Die FPÖ wird nicht in der Regierung sein. Sind Sie traurig?

Strache: Das ist eine schlechte Entwicklung für Österreich. Man hat den Eindruck, dass die Wirtschaft die Politik bestimmt und nicht die Politik die Wirtschaft. Es wird ein Druck ausgeübt auf Werner Faymann und Josef Pröll, etwa durch einen Herrn Konrad vom Raiffeisenkonzern.

derStandard.at: Kränkt es Sie, dass sie zur Mehrheitsbeschaffung herangezogen werden – bei der Abschaffung der Studiengebühren – aber dann eine Regierungsarbeit gemeinsam mit Ihnen abgelehnt wird?

Strache: Wenn man in einer politischen Verantwortung steht, darf man nicht gekränkt sein, wenn die politischen Mitbewerber nicht lernfähig sind. Unser Ziel muss es sein, die Ausgrenzung und die verquerten Verhaltensmuster bei den politischen Mitbewerbern aufzubrechen.

derStandard.at: Wie ist ihr Tipp für die Wien-Wahl 2010?

Strache: Michael Häupl hat allen Grund, die Hosen voll zu haben. Er verkörpert die Abgehobenheit und Arroganz der SPÖ in Wien. Ich bin überzeugt, dass das Unmögliche in Wien möglich werden kann, nämlich die SPÖ-Absolute zu brechen. Häupl wird im Wahljahr 2010 in mir einen Herausforderer finden. Den Wienern soll ein Angebot zum politischen Wechsel gemacht werden: Mit einem HC Strache als Bürgermeister.

derStandard.at: Bürgermeister Häupl hat Sie in einem Interview mit derStandard.at als "post-pubertären, den Widerständler spielenden, Lokalrunden schmeißenden Pseudopolitiker" bezeichnet. Wir bieten Ihnen die Gelegenheit für eine Revanche.

Strache: Jedem das seine. Der eine geht gerne zum Branntweiner, ich gehe zu den Leuten, ob das jetzt Heurigen, Gasthäuser, Jugendklubs oder Diskotheken sind ... Ich bin für die Leute da und grinse nicht nur präpotent vom Plakat herunter wie Herr Häupl. Er ist ein Bürgermeister, der knapp vor seiner Pensionierung steht und bei der kommenden Wahl noch einmal antritt, um kurz danach in Pension zu gehen. Aber es braucht eine Zukunftsansage.

derStandard.at: Welche drei Dinge würden Sie als erstes umsetzen, wenn Sie Bürgermeister werden?

Strache: Wir wollen, dass die Staatsbürger endlich wieder einmal mehr zählen. Daher treten wir für ein differenziertes Modell ein. Das haben wir bei den Studiengebühren geschaffen (In Zukunft zahlen Ausländer aus Drittstaaten Studiengebühren, Inländer und EU-Bürger nicht, Anm.) und das will ich jetzt auch im Sozialbereich sicher stellen: Im sozialen Wohnbau oder bei der Kinderbeihilfe soll eine Differenzierung vorgenommen werden. Auch im Schulbereich muss sichergestellt werden, dass der Anteil von Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache höchstens 20 bis 30 Prozent beträgt.

Im Bereich der Sicherheitspolitik fehlen in Wien 1500 Sicherheitskräfte, österreichweit 3500 bis 5000. Man hat hier auf Kosten der Menschen eingespart. Sie werden heute kaum einen Wiener treffen, der nicht erlebt hätte, dass das Auto aufgebrochen, in die Wohnung oder Firma eingebrochen, oder dass das Geldbörsel gestohlen worden wäre.

derStandard.at: Ist Ihr Ziel, Wiener Bürgermeister zu werden, nur eine Zwischenetappe?

Strache: Natürlich will man seine politischen Ziele verwirklichen können, das geht aus der Opposition heraus nicht. Das heißt, man muss so stark werden, dass man die Regierungsverantwortung sicherstellen kann ohne dass man durch politische Ausgrenzung daran gehindert wird.

Jetzt hat einmal oberste Priorität, dass ich in Wien den Bürgermeister stelle. Ich werde diese Aufgabe wesentlich besser bewältigen als Häupl. Ich würde meine volle Arbeitskraft auf Wien richten, das ist eine harte Knochenarbeit bei den Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre. Das wäre eine Art Pilotprojekt für Österreich, um das dann auch einmal für das ganze Land sicherzustellen.

derStandard.at: Sie haben Jörg Haider kurz vor dessen Tod getroffen: Ging es in diesem Gespräch um eine mögliche Wiedervereinigung?

Strache: Das war nie ein Thema und ist auch jetzt keines. Das ist eine politische Tatsache, die ich seit 2005 immer wieder klar dargelegt habe. Am Mittwoch vor dem Unfall war Haider hier in diesem Büro. Im Anschluss entstand dann auch dieses Foto (deutet auf ein Foto auf seinem Schreibtisch, das ihn gemeinsam mit Haider zeigt, Anm.). Wir hatten eine menschliche Aussprache, die in meinen Augen auch Schicksal war.

derStandard.at: Waren Sie nachher wieder per Du?

Strache: Nein, waren wir nicht. Aber wir haben viele Punkte, in denen wir eine Ambivalenz hatten ausgesprochen. Wer Haider kannte, wusste, dass er jemand war, der Dinge, die ihn berührten oft nicht direkt angesprochen hat, sondern mit einem Schmäh. Da musste man zwischen den Zeilen lesen.

derStandard.at: Und was haben Sie herausgelesen?

Strache: Schauen Sie, natürlich war da eine Wehmut da, als er in das Büro gekommen ist. Das war ja auch einmal seines. Man konnte eine gewisse Sehnsucht verspüren. Und es war mir, seit ich die Parteiführung 2005 übernommen habe, wichtig, mit unserer Geschichte und den Personen, die die Partei geprägt haben, ins Reine zu kommen und ein korrektes Verhältnis zu haben. Aber natürlich kann man nicht alles, was vorgefallen ist, von der Festplatte löschen.

derStandard.at: Stefan Petzner hat Haider als seinen "Lebensmenschen" bezeichnet. Was war Haider für Sie?

Strache: Er war eine Persönlichkeit, die Österreich geprägt hat. Ein moderner Politikertypus, der das Menschliche in den Vordergrund gestellt hat und die verkrusteten Strukturen mit persönlichem Arbeitseinsatz aufgebrochen hat.

derStandard.at: Eine Art Vorbild?

Strache: Mit diesem Wort gehe ich verdammt kritisch um. Wenn ich von einem Vorbild rede, dann ist eines davon meine Mutter: die war Alleinerzieherin und hat aus dem Wenigsten das Beste herausgeholt.

derStandard.at: Haben Sie auch einen Lebensmenschen?

Strache: Mein Lebensmensch ist meine Lebenspartnerin. Jener Mensch, bei dem nicht nur Freundschaft vorhanden ist, sondern mehr. Deswegen ist das auch ein Begriff, den vielleicht jeder für sich definieren muss. Was meint er?

derStandard.at: Glauben Sie, hat sich Petzner durch seine relativ offenen Interviews, die er nach dem Tod Haiders gegeben hat, geschadet?

Strache: Herr Petzner ist für dieses Amt – unabhängig von seinem Alter – nicht geeignet, dem nicht gewachsen und offensichtlich auch vor sich selbst zu schützen. Er dürfte auf der Suche nach neuer Orientierung sein und dabei schon einen neuen Lebensmenschen an seiner Seite haben: nämlich Ewald Stadler.

derStandard.at: Sie haben einmal gesagt, dass Sie eine Waffe besitzen. Wieso eigentlich?

Strache: Schauen Sie, ich bin Waffenbesitzer, habe einen Waffenschein und manchmal gehe ich auf den Schießstand. Ich nehme auch bei der Unteroffiziersgesellschaft an Schießwettbewerben teil. Das soll jeder so handhaben, wie er will. Ich bin keiner der sagt: Pfui Teufel. Ganz im Gegenteil. Wenn jemand ein anständiger Mensch ist, ein rechtstreuer Bürger, soll er dieses Recht auf eine Waffe haben.

derStandard.at: Zum Schutz oder wozu?

Strache: Nein, ich habe meine Waffe nie bei mir. Meine Waffen sind gut in einem Schrank versperrt, so dass alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten sind. (derStandard.at, 7.11.2008)

  • "Michael Häupl verkörpert die Abgehobenheit und Arroganz der SPÖ in Wien."
    foto: standard/newald

    "Michael Häupl verkörpert die Abgehobenheit und Arroganz der SPÖ in Wien."

  • "Natürlich will man seine politischen Ziele verwirklichen können, das geht aus der Opposition heraus nicht."
    foto: standard/newald

    "Natürlich will man seine politischen Ziele verwirklichen können, das geht aus der Opposition heraus nicht."

  • Strache über sein letztes Gespräch mit Jörg Haider: "Wir hatten eine menschliche Aussprache, die in meinen Augen auch Schicksal war."
    foto: standard/newald

    Strache über sein letztes Gespräch mit Jörg Haider: "Wir hatten eine menschliche Aussprache, die in meinen Augen auch Schicksal war."

  • "Mein Lebensmensch ist meine Lebenspartnerin. Jener Mensch, bei dem nicht nur Freundschaft vorhanden ist, sondern mehr."
    foto: standard/newald

    "Mein Lebensmensch ist meine Lebenspartnerin. Jener Mensch, bei dem nicht nur Freundschaft vorhanden ist, sondern mehr."

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