Deutscher Presserat ab 2009 auch für Internet-Medien zuständig

7. November 2008, 11:54
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"Pressekodex gilt grundsätzlich auch für Online-Angebote" - Vor allem für die Kontrolle im Bereich von User-generierten Inhalten aber noch zu viele Fragen offen

Der Deutsche Presserat  wird seine Zuständigkeit künftig auch auf Inhalte der elektronischen Presse ausdehnen. Mit dem Beginn der Kontrolltätigkeit in diesem Bereich ist Anfang 2009 zu rechnen. "Der Pressekodex gilt grundsätzlich auch für Online-Angebote", erklärte Manfred Protze, Sprecher des Deutschen Presserates im Rahmen der Jahreskonferenz in Berlin. Anbieter von Telemedien mit journalistisch-redaktionellen Inhalten, soweit sie nicht als Rundfunk einzustufen sind, sollten ebenfalls die Möglichkeit haben, sich der publizistischen Selbstkontrolle anzuschließen, so Protze. Voraussetzung dafür sei aber, "dass sie sich zum Pressekodex als Regeln für guten Journalismus sowie den Grundsätzen zum Redaktionsdatenschutz bekennen und sich der Spruchpraxis des Presserats unterziehen".

Viele Fragen offen

Eine flächendeckende Beobachtung des Internet-Journalismus ist allerdings nicht geplant. "Die Erweiterung der Selbstkontrolle auf journalistische Inhalte im Internet soll nicht generell für alle Content-Anbieter im Web gelten", erklärt Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Deutschen Presserats, im Gespräch mit pressetext. Vor allem für die Kontrolle im Bereich von User-generierten Inhalten seien derzeit noch zu viele Fragen offen. "Seit etwa zehn Jahren gehen bei uns auch Beschwerden ein, die den Online-Bereich betreffen", schildert Tillmanns. Obwohl die Zahl der Beschwerdeverfahren in letzter Zeit deutlich angestiegen sei, fehle es dem Gremium Presserat in diesem Zusammenhang bislang noch an der entsprechenden Zuständigkeit. Dies soll sich aber ab 2009 ändern.

"Wir begrüßen die vom Presserat eingeleitete Initiative ausdrücklich", betont Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), auf Anfrage von pressetext. Die Erweiterung des Pressekodex auf den Online-Bereich sei eine notwendige, längst überfällige Entscheidung. "Das Internet ist der derzeit einzige Medienbereich, wo es keine wirkliche Kontrolle gibt", stellt Zörner fest. Der Presserat wacht über die Printmedien, die Landesmedienanstalten wachen über die Radio- und TV-Programme der Privatsender. Die öffentlich-rechtlichen Sender kontrollieren sich über ihre Rundfunk- und Fernsehräte selbst. "Da dem Internet eine zunehmend große Bedeutung in der Nachrichtenwelt zukommt, sollten für dieses Medium auch die gleichen journalistischen Standards gelten wie in den anderen Bereichen", meint Zörner.

Qualität des Netzjournalismus sicherstellen

Plenum und Trägerverband des Deutschen Presserates hatten bereits im März dieses Jahres eine eigene Expertenkommission einberufen, die über eine Erweiterung der Zuständigkeit auf journalistisch-redaktionelle Online-Angebote beraten sollte. Neben der Klärung der Frage, wer für bestimmte eingestellte Inhalte verantwortlich ist, standen dabei vor allem mögliche Ergänzungen des Pressekodex für den Online-Bereich im Zentrum des Interesses. Diese sollen die Qualität des Netzjournalismus sicherstellen. Im Gegensatz zu anderen Medien wie Rundfunk, Fernsehen und dem Print-Bereich gibt es bislang keine wirkliche Aufsicht über das Internet. Ein Gütesiegel, das die Einhaltung journalistischer Regeln in der virtuellen Welt garantiert, könnte dem Publikum die Orientierung im Online-Informationsdschungel erleichtern. (pte)

 

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