Im Labyrinth der Immofinanz

7. November 2008, 21:30
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Neochef Kleibl versucht mit der Constantia Privatbank, das Labyrinth der Geldflüsse zwischen den Instituten zu verstehen. Die Staatsanwaltschaft soll über die Causa informiert werden

Wien - Schön langsam lichten sich die Nebel über den ominösen Geldflüssen von der Immoeast zur Immofinanz, zur Immofinanz Beteiligungs AG (Ibag) und zur Constantia Privatbank. Der neue Chef der Immofinanz-Gruppe, Thomas Kleibl, sagte auf eine Frage des Standard, er könne "nicht ausschließen, dass es sich bei den Geldflüssen um (unerlaubte, Anm.) Aktienrückkäufe gehandelt hat" .

Zum möglichen Sachverhalt: Im Frühling 2007 begibt die Immoeast eine Anleihe und bekommt dafür netto 2,5 Mrd. Euro. Davon gehen 1,5 Mrd. als "Kredit" an die Immofinanz. Diese dürfte damit wieder Immoeast-Aktien gekauft haben, um sich nicht verwässern zu lassen und die Beteiligung auf 54,6 Prozent zu halten. Um weitere 900 Mio. Euro hat die Immoeast die umstrittene Anleihe der Ibag gezeichnet. Dort blieb das Geld aber nicht, sondern wurde auf drei Gesellschaften der Constantia Privatbank (CPB) weitergeleitet, die zur Kurspflege über Monate systematisch Immoeast und Immofinanz gekauft haben. Zur Absicherung der 900 Mio. bekam die Immoeast, die ja über keinerlei Vermögen verfügte, eine Haftung der Constantia Packaging B.V. in den Niederlanden. Damals war Karl Petrikovics noch Chef der CPB sowie der Immofinanz-Gruppe.

Petrikovics ließ per Aussendung wissen, dass "die Immoeast meines Wissens insgesamt 900 Millionen Euro veranlagt hat, von denen offenbar 512 Millionen noch nicht rückgeführt wurden. Diese Veranlagung war aus damaliger Sicht absolut risikolos (...). Diese Forderung müsste daher zur Gänze zurückkommen."

Doch die Kurse fielen weiter. Gut möglich, dass die ursprünglichen 900 Mio. Euro durch die Kursverluste auf nunmehr 520 Mio. Euro schrumpften.

Verlustbeteiligung

Im März 2008 erwarb der Investor Rudolf Fries knapp zehn Prozent an der Immofinanz - nicht über die Börse, sondern über drei CPB-Gesellschaften. Ihm dürfte dabei der Verlust aus der Aktienbewertung von rund 150 Mio. interessiert haben, als er die Gesellschaften mit seiner eigene fusionierte. Sollte Fries zum März-Kurs von rund sieben Euro gekauft haben, kam er mit dem Verlustvortrag auf einen Preis von rund 4,5 Euro. Und er hat sich zur Absicherung seines Investments eine Put-Option der B.V. geben lassen, die ihm die Aktien ab 2010 um sieben Euro wieder abkaufen muss. Fries war zu keiner Stellungnahme erreichbar. In der Immofinanz geht das Gerücht, dass Fries (sollte die B.V. nicht zahlen können) Interesse an deren Beteiligung am Alu-Konzern Amag (16,5 Prozent) habe.

Kleibl sagte am Freitag, er sei sicher, dass die Organe der Ibag (Chef Gerhard Pauser trat bereits zurück) von dem Anleihe-Geschäft gewusst haben. Diese bestreiten, dass es die Anleihe je gab, einen (nicht unterschriebenen) Entwurf gibt es aber; er soll von Ibag-Aufsichtsrat Christian Nowotny stammen. Christian Thornton, auch Ibag-Zeichnungsberechtigter, tritt als Immofinanz-Vorstand zurück.

Kleibl ist davon überzeugt, dass die Haftung der B.V. werthaltig ist. Eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwalt werde folgen. Zu klären gilt es auch, ob die KPMG ihr Immoeast-Testat aus 2007/08 aufrecht hält oder es in ein eingeschränktes Testat ändert.

Diese Woche hat es auch Gespräche zwischen Turnauer-Erbin und Constantia-Packaging "Eigentümerin" Christine de Castelbajac und Prinz Michael von und zu Liechtenstein gegeben; erstere war bis vor kurzem auch Eignerin der CPB, letzterer ist Chef der B.V. und war Aufsichtsratschef der Bank. Der Prinz (er ist der Cousin der Frau von Imofinanz-Aufsichtsrat Guido Nikolaus Schmidt-Chiar) sorgt sich um die Folgen der Haftungen, die die Constantia Packaging B.V. unter ihm übernommen hat.

Kleibl versucht jetzt mit den neuen CPB-Organen Licht ins Dunkel der Verflechtungen zu bekommen und die Management-Verträge, die noch bei der CPB liegen, zu bekommen. Er forderte Petrikovics im Sinne der Aktionäre auf, sein Wissen zu kommunizieren.

Von den ursprünglich 80 bis 100 involvierten Banken werde nun mit sechs bis Mitte Dezember Gespräche über die weiteren Kreditlinien geführt. Wobei der Liquiditätsbedarf bei der Immofinanz, nicht aber bei der Immoeast bestehe. Letztere hat Cash-Reserven von 450 bis 500 Mio. Euro.

Banker beteuern, die Immofinanz am Leben erhalten zu wollen, es handle sich in der Gruppe um ein "Kuddelmuddel" aus 560 Gesellschaften. Die Immofinanz (allein die Bank Austria hat rund 520 Mio. Euro für Projektfinanzierungen vergeben) kämpft um ihre Unternehmensfinanzierung - konkret geht es um eine syndizierte Anleihe im Volumen von 415 Mio. Euro, die die deutsche WestLB organisiert hat.

Ein Angebot zur Mithilfe bei der Konsolidierung kommt von unerwarteter Seite: Christian Büttner, Ex-Bawag-Vorstand (im Bawag-Prozess nicht rechtskräftig zu 18 Monate bedingter Haft und einer Geldstrafe von 36.000 Euro verurteilt), hat sich der Immofinanz als Berater angeboten - allerdings zu einem recht hohen Tagsatz. (von Claudia Ruff und Renate Graber/DER STANDARD, Printausgabe, 8.11.2008)

 

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    Thomas Kleibl ist seit drei Wochen Immofinanz-Chef. Die drei Wochen hätten sich "angefühlt wie 100 Tage".

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