Wenn der Chef Mäuschen spielt

11. November 2008, 17:16
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Suchen Firmenchefs und Personalberater wirklich nach Bewerbern im Internet? Kommunikationsberater Klaus Eck rät, sich am besten gleich von seiner Privatsphäre im Internet zu verabschieden

Ist man gerade auf Jobsuche, sollte man sich in Zeiten des Web 2.0 genau bewusst sein, welche Informationen über die eigene Person durchs Internet geistern. Denn laut Klaus Eck, Kommunikationsberater und Autor des Buches 'Karrierefalle Internet' überprüft mindestens jeder dritte Arbeitgeber anhand einer Online-Recherche seine Bewerber: "Nicht nur Arbeitgeber und Headhunter informieren sich online über ihre Bewerber, sondern auch die neuen Kollegen. Noch bevor Sie Ihre neue Arbeit aufnehmen, müssen Sie heute davon ausgehen, dass jemand einen Blick auf Ihre Google-Ergebnisse und Ihr Xing- oder Facebook-Profil geworfen hat."

Private Details

Eva Hartl von der Personalberatung Kienbaum Consultans International sagt im Gespräch mit derStandard.at, sie google keine Bewerber. Wenn in einer Bewerbung jedoch Referenzen zu Profilen angegeben werden, beispielsweise zur Online-Community Xing, würde sie sich das schon anschauen. "Ich mag aber persönlich klassische Bewerbungen lieber", so Hartl. Zu viele private Details auf Profilseiten der Bewerber seien aber auf jeden Fall wenig professionell.

Die Recruiterin eines großen Schweizer Unternehmens, die jedoch anonym bleiben möchte, sagt, sie wisse sehr wohl von Personalberatern, die Bewerber im Internet suchen. Sie gibt außerdem selbst zu, Bewerber stichprobenartig zu googeln: "Das kommt jedoch auf die Position an. Wir machen solche Online-Recherchen eher bei Stellen in höheren Positionen." Manchmal finde sie dabei auch Informationen, die dem Bewerber unangenehm sein könnten.

Abschied von der Privatsphäre

Private Fotos vom Polterabend des besten Freundes, bei dem man ausgelassen auf der Theke getanzt hat, können schnell publik werden und sind nur vermeintlich privat. "In der Regel sollte jeder davon ausgehen, dass alle Network-Informationen den Weg zum Vorgesetzten nehmen können, selbst wenn Sie in Ihrem privaten Fotoalbum auf Facebook alle peinlichen Bilder auf privat gestellt und nur wenigen Freunden zugänglich gemacht haben", so Eck. Das Beste wäre, sich gleich bei der Anmeldung in einem Social Network von seiner Privatsphäre zu verabschieden. "Wer im Netz unterwegs ist und unter seinem Namen etwas Privates veröffentlicht, unterliegt dem Irrglauben, dass im Internet Privates und Business getrennt betrachtet werden. Dem ist nicht so", sagt der Kommunikationsberater.

Google zeigt mich, also bin ich

Sich ganz aus dem Web zurückzuziehen sei aber auch der falsche Weg. Denn derjenige, der im Internet gar nicht auffindbar ist, habe im Arbeitsleben geringere Karrierechancen. "Die ersten Bewerber mussten sogar schon die Erfahrung machen, dass niemand mehr auf ihre Anfragen reagiert, weil die Personalverantwortlichen nichts über sie finden konnten", so Eck.

Auch Thomas Lutz von Microsoft Austria sagt, er finde es gut, wenn Bewerber Mitglied bei Online-Portalen sind. In ihren Unterlagen weisen Bewerber aber erst sehr selten auf Referenzen im Internet hin. "Wir haben 6.000 Web 2.0-Präsenzen und über 4.000 Mitarbeiter-Blogs. Es gibt aber auch klare Regeln. Jeder kann schreiben, was er will, die Mitarbeiter sollen sich aber wie in der analogen Welt bewegen. Das schließt zum Beispiel aus, Geschäftsgeheimnisse preiszugeben", so Lutz.

Geschäft mit der Angst

Die ersten Unternehmen wittern bereits die Chance, mit der Angst um die eigene Internet-Reputation, Geld zu verdienen. Personensuchmaschinen zeigen zuerst alle auffindbaren Informationen wie E-Mail-Adressen und Fotos an, bieten aber gleichzeitig gegen eine monatliche Gebühr einen so genannten Schutzdienst, der alle persönlichen Treffer auflistet und diese auf Wunsch des Kunden löscht.

Private Fotos im Internet müssen jedoch nicht unbedingt das Ende der Karriere bedeuten, so Eck: "Sie dürfen den Personalverantwortlichen durchaus zutrauen, dass sie nicht von einem einzigen negativen Artikel oder Bild gleich auf die ganze Person schließen." (maf/derStandard.at, 11.11.2008)

Buchtipp

Klaus Eck: "Karrierefalle Internet. Managen sie Ihre Online-Reputation, bevor es andere tun!
Carl Hanser Verlag, 264 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-446-41628-4

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    In Zeiten des Web 2.0 sollte man wissen, was Suchmaschinen über die eigene Person anzeigen - sonst ist vielleicht der zukünftige Chef schneller.

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