Ungeahnte Bakterienvielfalt auf den Händen

7. November 2008, 11:44
2 Postings

Mehr als 150 Bakterien- arten zu finden - Das Keimprofil ist individuell unterschiedlich - Auch Unterschiede von Hand zu Hand einer Person - Händewaschen hat begrenzten Einfluss

Washington - Auf der Hand eines Menschen tummeln sich weitaus mehr Bakterienarten als bisher bekannt. Laut einer US-Studie sind es mehr als 150 verschiedene Mikroben-Familien. Die Forscher staunten vor allem über die individuell unterschiedliche Zusammensetzung der Keimkolonien: Auf Abstrichen der Händen von 51 Studenten fanden die Biologen Spuren von insgesamt 4.742 Bakterienarten. Lediglich fünf dieser Species kamen bei allen Teilnehmern vor.

Selbst bei ein- und demselben Menschen weisen beide Hände ganz verschiedene Keimprofile auf: Im Durchschnitt lebten nur 17 Prozent der bei einem Probanden gefundenen Bakterien auf beiden Händen. Dies rührt vornehmlich daher, dass Menschen mit der dominanten Hand andere Gegenstände berühren.

Mehr Keime auf Frauenhänden

"Schon die schiere Zahl der Bakterienarten, die wir auf den Händen der Teilnehmer fanden, war eine große Überraschung", sagt Untersuchungsleiter Noah Fierer von der Universität von Colorado in Boulder. Zusätzlich entdeckten die Forscher, dass die Hände von Frauen eine deutlich größere Keimvielfalt beherbergen als die von Männern. Dies liege womöglich daran, dass die Haut von Männern einen höheren Säuregrad aufweise. Möglicherweise spielten aber auch hormonelle Faktoren, die Produktion von Schweiß und Talg sowie der Gebrauch von Kosmetika eine Rolle.

Händewaschen hat nur bedingt Einfluss

Generell fanden die Wissenschafter auf den Händen der Probanden etwa dreimal mehr Bakterienarten als auf den Unterarmen oder Ellbogen, wie sie im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)" berichten. Die Hygiene hatte übrigens nur begrenzten Einfluss auf die Handflora. Das Waschen reduzierte zwar die Zahl mancher Bakteriengruppen, aber andere traten dafür umso zahlreicher auf. Dennoch raten die Forscher aus gesundheitlichen Gründen zur regelmäßigen Händereinigung.

Bakterien meist harmlos

Ansonsten sieht Fierers Kollege Rob Knight die sprießende Keimfülle gelassen: "Die überwiegende Mehrzahl der Bakterien verursachen keine Krankheiten", sagt er. "Manche behindern sogar die Ausbreitung von Erregern." Fierer selbst ist angesichts der Bakterienfülle auf den Händen, die mindestens ebenso hoch sei wie die im Mund oder im Darm, fasziniert: "Ich betrachte Menschen als Kontinente mikroskopischer Ökozonen mit einem Maß an Vielfalt, das mit tiefen Ozeanen oder tropischen Dschungeln vergleichbar ist." (APA/AP)

Link

PNAS

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die menschliche Hand ist ein wahres Bakterienparadies

Share if you care.