Berlusconis Entgleisung: "Obama ist braungebrannt"

7. November 2008, 17:58
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Italiens Opposition fordert Entschuldigung des Premiers - Gasparri: Al Kaida über Wahl erfreut

Zwei Entgleisungen von Spitzenpolitikern des Rechtsbündnisses zur Wahl Barack Obamas haben in Italien heftige Polemiken ausgelöst. Auf einer Pressekonferez in Moskau begrüßte Premier Silvio Berlusconi Obamas Wahl zum US-Präsidenten mit den Worten: "Er ist jung, schön und braungebrannt." Die Forderung von Oppositionsführer Walter Veltroni nach einer "Entschuldigung für diese peinliche Entgleisung" wies Berlusconi entrüstet zurück. Es habe sich um eine "Liebenswürdigkeit" gehandelt, die "nur von Ignoranten" kritisiert werden könne.

Mit seiner langjährigen politischen Erfahrung könne er einem jungen Präsidenten wie Obama "wertvolle Ratschläge" erteilen, versicherte Berlusconi. Der Corriere della Sera wertete den Spruch des Cavaliere am Freitag "als eine von unzähligen Entgleisungen, an denen der Premier seit Jahren Gefallen" finde.

Ins Fettnäpfchen trat am Donnerstag auch der Fraktionsführer des Rechtsbündnisses im Senat, Maurizio Gasparri. Al-Kaida sei über die Wahl Obamas sehr erfreut, verkündete der Spitzenvertreter der Nationalen Allianz im Fernsehen. Nach einem scharfen Protest der US-Botschaft entschuldigte sich Gasparri für seine Äußerung, fügte jedoch hinzu, es sei "kein Geheimnis, dass die Niederlage des republikanischen Kandidaten Al-Kaida mit Genugtuung" erfülle. Kammerpräsident Gianfranco Fini zeigte sich über Gasparris Äußerungen verärgert.

Libyens Staatschef Muammar Al Gaddafi nutzte einen Besuch in Weißrussland, um sich zu äußern: Er habe die Wahl Obamas bereits Anfang der Siebzigerjahre in seinem Grünen Buch prophezeit. (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 8.11.2008)

 

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