Konservative an der Macht zurück

9. November 2008, 17:58
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Labour-Regierungschefin Helen Clark räumt Niederlage ein und gratuliert konservativem Oppositionsführer Key

Nach neun Jahren in der Opposition hat die Nationale Partei unter dem Selfmademan Peter Key die Parlamentswahlen in Neuseeland für sich entschieden. Sie lösen die Labour-Partei unter Helen Clark ab.

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Wellington/Sidney - "Es ist Zeit für einen Wechsel" - so hatte der Wahlspruch von John Key gelautet, und die Neuseeländer folgten seinem Aufruf. Zwei Stunden nach der Schließung der Wahllokale am Samstag stand bereits fest, dass die Labour-Partei ihre Mehrheit im 122 Sitze zählenden Einkammerparlament verlieren würde. Die bisher oppositionelle Nationalpartei hatte sich 45,5 Prozent der Stimmen gesichert, Labour dagegen nur 34 Prozent.

Premierministerin Helen Clark, die neun Jahre lang die Geschicke des Landes geleitet hatte, kündigte ihren Rücktritt als Vorsitzende der Arbeiterpartei an. "Mein Job als Chefin der Labour-Partei ist vollendet", meinte sie vor Anhängern. Sie gratulierte ihrem Herausforderer John Key, dem 47-jährigen Chef der konservativen Nationalpartei und künftigem Premierminister.

Regierung in zehn Tagen

Wegen des 1996 eingeführten Proportional-Wahlrechts, bei dem Wähler je eine Stimme einer Partei geben und einem Kandidaten, muss die Nationalpartei trotz des Gewinns von 59 Sitzen erst mit kleineren Parteien verhandeln, um eine mehrheitsfähige Regierungskoalition zu haben. Wie John Key am Sonntag meinte, sollten diese Gespräche in etwa zehn Tagen abgeschlossen sein. Die Vertreter der beiden Parteien ACT New Zealand und United Future haben Key bereits ihre Unterstützung zugesagt. Halten sie sich an die Abmachung, wird die Koalition eine Mehrheit von vier Sitzen haben. Welche Rolle die Maoripartei spielen wird, steht noch nicht fest.

Die Vertretung der Ureinwohner, die 15 Prozent der Bevölkerung ausmachen, gewann fünf der sieben im Parlament für Maori reservierten Sitze. Wichtige Aufgabe der Regierung wird sein, zehntausende von jungen Neuseeländern, die wegen des niedrigen Lohnniveaus nach Australien ausgewandert waren, zur Rückkehr zu bewegen.

Neuseelands neuer Premier stammt aus ärmlichen Verhältnissen. 1961 in Auckland geboren, wuchs John Key in einem Haus auf, das der Sozialhilfe gehörte. Als er sechs Jahre alt war, starb sein Vater an einem Herzinfarkt. Seine Mutter Ruth Lazar, eine 1939 aus Österreich geflohene Jüdin, schaffte es durch harte Arbeit als Putzfrau, Key und seinen beiden Schwestern in gute Schulen zu schicken. Als Banker bei Merrill Lynch in Singapur erwarb er sich den zweifelhaften Spitznamen "lächelnder Killer": Key soll bei der Finanzkrise 1998 dutzende oder hunderte Mitarbeiter "mit einem Lächeln im Gesicht" entlassen haben, wie seine Kritiker sagen. (Urs Wälterlin/DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2008)

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    John Key errang mit seiner rechts-liberalen Nationalpartei 45 Prozent der Stimmen und gewann damit die Parlamentswahl in Neuseeland.

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