Kopf des Tages: "Rahmbo" soll auf Obama aufpassen

6. November 2008, 21:41
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Ex-Clinton-Berater Rahm Emanuel ist zukünftiger Stabschef im Weißen Haus

Freunde, die ihn seit seinen Tagen im Weißen Haus unter Bill Clinton kennen, bestehen darauf, dass der einst so hartgesottene Rahm Emanuel heutzutage „sehr milde" geworden sei. Den Spitzname "Rahmbo", der ihm am Ende der Regierung Clinton, als er wütend über Feinde des Präsidenten herzog, gegeben wurde, meinen sie, treffe wirklich nicht mehr zu. Einige Beobachter sind anderer Meinung: In der Chicago Tribune wurde er am Tag nach der Wahl fast liebevoll als „politischer Mörder" bezeichnet.

Der designierte Präsident Barack Obama hat seinem langjährigen Freund nun den Posten des Stabschefs im Weißen Haus angeboten. Dieser zögerte kurz, hat dann aber laut Medienberichten zugestimmt.

Rahm (im Hebräischen: „erhaben") Emanuel wurde am 29. November 1959 in eine jüdische Familie in Chicago geboren. Sein Vater ordiniert dort noch immer als Kinderarzt, seine Mutter war tief in der Bürgerrechtsbewegung verwurzelt. Sie schickten ihren Sohn, anders als andere bürgerliche Familien, in öffentliche Schulen.

Nach Abschluss eines Masters in Kommunikationswissenschaften von der Northwestern University arbeitete Emanuel 1984 in Chicago für den demokratischen Senator Paul Simon und war 1988 einer der erfolgreichen Manager des Wahlkampfes von Richard Daley, der heute noch Bürgermeister von Chicago ist.

Während des Golfkriegs 1991 ging er als Freiwilliger nach Israel, um als Mechaniker in der Armee zu dienen. Nach seiner Rückkehr begann er für den damals noch relativ unbekannten Gouverneur aus Arkansas, Bill Clinton, zu arbeiten, der ihn nach seinem Einzug ins Weiße Haus dort zum politischen Direktor machte.

Bis 1999 hielt er durch, danach entschloss er sich, eine einträglichere Arbeit anzunehmen, um seine wachsende Familie (Ehefrau Amy Rule, drei Kinder) angemessen ernähren zu können. Bei einer Investmentfirma soll er in drei Jahren 18 Millionen Dollar verdient haben. 2002 schafft er den Sprung in den Kongress.
Seine Einstellungen sind grundsätzlich liberal, insbesondere innenpolitisch, 2002 jedoch sprach er sich für den Irakkrieg aus: Seiner Ansicht nach hätte Präsident Bush den
Amerikanern diesen Krieg besser verkaufen können.

Legendär ist seine Vorliebe für deftige Flüche, die Gesprächspartner verwirren sollen. Bei Obama wird er nun darauf achten, dass dieser sich nicht zu weit nach links bewegt. „Die beiden werden wie ‚good cop‘ (Obama) und ‚bad cop‘ (Emanuel) sein, und das ist gut so", meint ein Beobachter.
(Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2008)

 

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