Tierische Vorbilder

6. November 2008, 20:26
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Das Wissen darüber, wie Flügel von Fliegen so schnell schwirren können, wie sich ein Regenwurm fortbewegt und wie Termiten ihre Bauten anlegen, wird für technische Entwicklungen genutzt

Frage: Was können Menschen sich von Tieren abschauen?

Antwort: Von Tieren lässt sich zum Beispiel lernen, wie sie ihre Behausungen bauen oder von der Art ihrer Fortbewegung oder der Beschaffenheit ihrer Körper. Mit dieser Frage beschäftigt sich die Bionik - wobei es da, wie der Name schon sagt, um Biologie und Technik geht, also darum, was sich der Mensch von der Natur abschauen kann.

Frage: Was wäre ein tierischer Bautrick?

Antwort: Zum Beispiel kann der Mensch von Termiten lernen, wie sie ihre Behausung klimatisieren. Es gibt Termiten, die in einer Art Hochbau leben, in dessen Mitte sich Wohnbereich und Pilzgärten befinden. Die Bewohner, die sich darin zu Tausenden aufhalten, entwickeln gemeinsam mit den Pilzen Wärme.

Ein Röhrensystem leitet die warme Luft wieder ins "Untergeschoß". Da wird sie abgekühlt und feucht. Dann strömt sie wieder hinauf und so weiter. Auch die Sauerstoffversorgung funktioniert durch die Röhren in der Außenwand. Architekten haben das Bausystem der Termiten genau studiert und es umgesetzt - zum Beispiel bei einem Büroturm in Simbabwe.

Frage: Gibt es auch Baumaschinen, die nach dem Prinzip von tierischem Können funktionieren?

Antwort: Ja, man sehe sich nur die hydraulisch funktionierenden Baumaschinen an. Bei ihnen wird Flüssigkeit (Öl) durch eine Pumpe in einen Zylinder gedrückt, in dem sich ein Kolben befindet. Dieser bewegt zum Beispiel den Schwenkarm eines Baggers. Wenn das Öl zurückgepumpt wird, bewegt sich die Baggerschaufel wieder in die andere Richtung. Ein Regenwurm kriecht auch durch den Druck von mit Flüssigkeit gefüllten Kammern auf andere Kammern vorwärts, und die Springspinne springt durch blitzschnell in ihre Beine gespritzte Flüssigkeit.

Frage: Welche tierischen Stoffe wollen Menschen produzieren?

Antwort: Ein Beispiel gelang vor wenigen Jahren: Forscher schafften es 2005, Resilin künstlich zu erzeugen. Der Stoff ist so begehrt, weil er eine Art Supergummi ist. Resilin ist eine Eiweißsubstanz, die sich bei Fliegen in den Flügelgelenken befindet. Durch sie können die Flügel 200-mal in der Sekunde auf und ab schwirren. Der Stoff findet sich auch in Flohbeinen. (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 7. November 2008)

Die nächste Folge der Ö1-Kinderuni am Sonntag um 17.10 Uhr widmet sich dem Thema "Wie kann Lernen cool sein? Vom Verstehen und Merken." Am Freitag im STANDARD.

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