Polen: "Schauen, was kommt"

6. November 2008, 20:01
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Warschau reagiert vorsichtig auf Russlands Raketenvorstoß

Wien - Zurückhaltend kommentiert Polens neuer Botschafter in Österreich, Jerzy Margañski, die Ankündigung Russlands, in Kaliningrad Kurzstreckenraketen als Antwort auf den geplanten US-Raketenschild aufzustellen. "Abwarten, zuhören und schauen, was kommt", sagte Margañski am Mittwochabend nach einem Vortrag in der Diplomatischen Akademie in Wien. "Wir haben gelernt, damit zu leben", meinte der Missionschef auf eine Frage nach den russischen Großmachtinteressen.

Dass Polen nach langwierigen Verhandlungen mit den USA schließlich doch eine Vereinbarung über die Aufstellung von Abwehrraketen geschlossen hat, begründet Margañski so: Der Raketenschild sei ausschließlich zur Abwehr von Langstreckenraketen gedacht, richte sich also nicht gegen russische Kurzstreckenraketen; in Polen seien keine Streitkräfte oder Militäranlagen von Alliierten stationiert; und man biete Russland ein Monitoring, also die Inspizierung der Abwehrraketenbasen unter noch festzulegenden Bedingungen an. Es habe zuletzt Signale aus Moskau gegeben, dass dieses Angebot geprüft werde.

Russland sehe die demokratische Entwicklung von souveränen Staaten in seiner Nachbarschaft als Bedrohung an, meinte Margañski in Anspielung auf die Ukraine und Georgien. Eine solche Haltung dürfe die EU nicht zulassen. Sie müsse mit einer Stimme sprechen und zugleich den Dialog mit Moskau pflegen. (jk/DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2008)

 

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