Staatsgarantien für Immofirmen

6. November 2008, 19:26
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Bei der Immofinanz-Gruppe wird fieberhaft nach Lösungen gesucht, um eine Insolvenz zu vermeiden. Überlegt wird, gute Immo-Portfolios mit Staatsgarantien abzusichern

Wien - Weil die Constantia Packaging der Zahlungsaufforderung von 520 Mio. Euro seitens der Immoeast nicht nachkommt, wird nach Alternativen gesucht, wie es weitergehen könnte. Um eine Insolvenz der Immofinanz-Gruppe zu verhindern, wird überlegt, sich an den Staat zu wenden. Geprüft wird derzeit, mit Hilfe eines Garantiesystems, wie es die staatliche FGG (heute Austria Wirtschaftsservice) in den 90er-Jahren betrieb, über die Runden zu kommen.

Möglich wäre folgende Lösung: Gute und ertragreiche Immobilien in mehreren neuen Gesellschaften (je nach Nutzung - Wohnungen, Büros, Hotels) bündeln, die dann gegen ein Entgelt von ein bis zwei Prozent eine staatliche Garantie bekommen könnten. Die Immobilien wären so leichter verkaufbar, und die neue Gesellschaft hätte es leichter sich zu refinanzieren.

Überbrückung

Damit würde man auch eine Überbrückung für einen derzeit nicht vorhandenen Investitionsmarkt schaffen, verlautet aus der Branche. Würde man die Immobilien einzeln auf den Markt bringen, hätte das einen noch größeren Preisverfall zu Folge. Mit einer staatlichen Garantie sei man hingegen nicht gezwungen, in einem Markt ohne aktive Käufer hineinverkaufen zu müssen. An der neuen Gesellschaft könnten sich auch andere Investoren wie Versicherungen beteiligen, wodurch zusätzliches Eigenkapital gebildet werden könnte.

Da davon wohl nicht nur die Immofinanz-Gruppe, sondern auch andere börsennotierte Immobiliengesellschaften Gebrauch machen würden, wären Staatsgarantien von in Summe fünf bis sechs Milliarden Euro erforderlich. Der Staat müsste dafür freilich erst budgetär vorsorgen. Die Immogesellschaften könnten den Markt für Verkäufe nutzen, und wieder Liquidität bekommen. Aufgrund der Finanzkrise sind die Kreditzinsen hoch und mangels Käufer Veräußerungen kaum möglich.

Notwendig wäre die Maßnahme auch für die zahlreichen offenen Entwicklungsprojekte. Ein Development-Projekt abzubrechen macht keine Sinn: Die Kosten wären sehr hoch und auch die Lieferanten (Planer, Baufirmen etc.) würden auf die Einhaltung ihrer Verträge pochen und Vorlaufkosten in Rechnung stellen. Parallel dazu müssten die verbleibenden Gesellschaften saniert und abgewickelt werden.

Testat wackelt


KPMG erwägt indessen den Widerruf des uneingeschränkten Bestätigungsvermerks zum Immoeast-Jahresabschluss für 2007/2008, berichtet profil online. Immoeast weist in der Bilanz eine Forderung gegenüber der nicht zum Konzern zählenden Immofinanz Beteiligungs AG (Ibag) in Höhe von 475,5 Mio. aus, die nach Angaben von Ibag-Vertretern gar nicht existiert. Aktuell soll diese Forderung sogar 512 Mio. Euro betragen - wie berichtet der Rest von ursprünglich 900 Mio. Euro aus einer Anleihe.

Laut Format bestreitet Ex-Immofinanz- und CPB-Vorstand Karl Petrikovcis, die Überweisungen getätigt zu haben: "Ich habe keine Kontobewegungen veranlasst. Diese Buchungen konnte nur jemand machen, der zeichungsberechtigt war." Zeichnungsberechtigt waren Ibag-Chef Gerhard Pauser (er ist nicht mehr im Amt) und das amtierende Immofinanz-Vorstandsmitglied Christian Thornton. Pauser hat aber jüngst erklärt, dass er nichts von den Geldflüssen wusste und "nichts unterschrieben" habe. Es gebe auch keine Anleihe, sagte er kürzlich.(Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.11.2008)

 

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    Der Immobilienmarkt ist derzeit tot. Wer verkaufen muss, hat schlechte Karten. Ohne frische Liquidität geht es aber auch nicht-

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