Eine Legende wird flottgemacht

6. November 2008, 19:08
1 Posting

Nach Gerichten spricht wieder der Sport - Der 33. America's Cup wird 2010 ausgesegelt

Valencia - Auch beim Segeln stirbt die Hoffnung zuletzt, zumal in einer Flaute. Seit dem 20. Juli 2007 hält eine Flaute auch den America's Cup in Bann - ein Segelrennen, das vor nicht allzu langer Zeit als das spektakulärste der Welt galt. Spektakulär ist seit dem Tag, als das Schweizer Team Alinghi nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung vor Valencia das neue Reglement präsentierte, aber nur noch die juristische Fehde zwischen Alinghi-Eigner Ernesto Bertarelli und Larry Ellison, dem Besitzer des US-Teams BMW/Oracle.

Absurder Streit

Die beiden Milliardäre haben die Veranstaltung, in der es im Verlauf ihrer mehr als 150-jährigen Geschichte zumindest zeitweise auch um den Segelsport ging, in einen absurden Streit verwandelt.

Ellison klagte in New York gegen Alinghis mutmaßlich unfaires Regelwerk und bekam zunächst recht. Die Schweizer führten Gegenklage, der ebenfalls stattgegeben wurde. Ellison klagte erneut, signalisierte aber auch Bereitschaft zur außergerichtlichen Einigung. Aber nur unter Druck der restlichen Herausforderer dürfte die 33. Auflage des Rennens doch noch auf den Weg gebracht werden.

Auf Einladung Bertarellis trafen sich elf potenzielle Herausforderer in Valencia und veröffentlichten einen Aufruf an das US-Team, "die Klage fallen zu lassen und sich dem fairen und konstruktiven Prozess" anzuschließen. Im Sommer 2010 soll wieder um die älteste Sporttrophäe gesegelt werden.

In Valencia wurde auch über die Bootsklasse verhandelt. Im Unterschied zu den ursprünglich von Alinghi anvisierten 90-Fuß-Yachten sollen die neuen Boote nach Meinung von Bertarelli "schneller und spektakulärer sein, als die Klasse, die während des 32. Cups im Einsatz war". Zudem sollen die Mannschaften kleiner und damit kosteneffizienter sein.

"Wir brauchen endlich wieder Planungssicherheit", sagt der dreimalige deutsche Olympiasieger Jochen Schümann, der bis Ende März dieses Jahres als Teamchef der deutschen Mannschaft angestellt war. Das Team hatte sich aufgrund der Unwägbarkeiten, die der juristische Streit verursacht hatte, auflösen müssen. Wie viele andere Teams auch.

Selbst die Neuseeländer, die Alinghi aufgrund des ausgebliebenen 33. Cups verklagen wollten und als harte Rivalen der Schweizer gelten, haben das Kriegsbeil mittlerweile begraben, ihre Millionen-Klage zurückgezogen und eine eigene Regatta organisiert. Die Pacific Series, vom langjährigen America's-Cup-Sponsor Louis Vuitton finanziert, soll im Jänner vor Auckland/Neuseeland die Herausforderer und beiden Streithähne erstmals wieder auf dem Wasser zusammenbringen.

Zur Abwechslung Sport

Vier Teams - Titelverteidiger Alinghi, Desafio Espanol, das britische Team Origin und Luna Rossa aus Italien - werden schon am kommenden Wochenende vor Valencia in einer vom spanischen Team Club Nautico Espanol de Vela ausgetragenen Serie gegeneinander segeln.

Alles sehr gute Gelegenheiten sich daran zu erinnern, dass es auch beim America's Cup eigentlich um Sport geht. (Ingo Petz, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 7. November 2008)

 

Share if you care.