Zweimal um die ganze Welt

6. November 2008, 19:06
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Skipper Andreas Hanakamp bereitet sich auf die zweite Etappe des Volvo Ocean Race vor - Norbert Sedlacek startet am Sonntag beim Vendée Globe einhand um die Welt

Les Sables/Kapstadt/Wien - Die Mission S. M. Fregatte Novara von 1857 bis 1859, die 551 Tage lang im Zeichen der Wissenschaft stand, und die Missionen der Herren Andreas Hanakamp und Nobert Sedlacek 2008/09, haben wenig, aber doch Elementares gemeinsam. Österreicher, auf den Weltmeeren prinzipiell in der Minderheit, segeln um den Globus, und die Vorhaben sind friedlicher Natur.

Andeas Hanakamp (42), zweifacher Olympiateilnehmer, hat die erste Etappe hinter sich. Der niederösterreichische Profiskipper von "Team Russia" beendete die 6500 Seemeilen lange Reise von Alicante nach Kapstadt nach 23 Tagen, drei Stunden und 14 Minuten an sechster Stelle von acht Yachten. Am 15. November geht's weiter im Volvo Ocean Race, von Kapstadt nach Kochi in Indien. Weitere Stationen sind Singapur, Quingdao, Rio de Janeiro, Boston, Galway, Marstrand und Stockholm, die Endstation im Juni 2009. Insgesamt sind rund 37.000 Seemeilen zu segeln, dazu gibt es Hafenrennen, wo auch gepunktet werden kann. Gesportelt wird auf 70-Fuß-Yachten (rund 21 Meter) mit bis zu elf Mann Besatzung. Hanakamp hat reichlich Erfahrung. 30.000 seiner 150.000 Blauwasser-Meilen war er rennmäßig unterwegs.

Kein Landgang

Vergleichsweise einfach geht es beim Vendée Globe zu, welches am kommenden Sonntag in Les Sables an der französischen Atlantikküste gestartet wird und ebendort, wann auch immer, endet. Landgänge sind nicht vorgesehen. Norbert Sedlacek (46) ist wie Hanakamp der Chef auf seinem Boot, anschaffen kann er freilich nur sich selbst. Vor 14 Jahren pfiff er darauf, Straßenbahnfahrer in Wien zu sein, und begann eine abenteuer-liche Karriere als Einhandsegler, fuhr beispielsweise mit einem etwas mehr als acht Meter langen Winzling zwei Jahre lang um die Welt. Er am bisher auf 140.000 einhändisch gesegelte Meilen.

Das Vendée Globe der Einhandsegler findet zum sechsten Mal statt. Gefahren wird auf 60-Fußschiffen (rund 18 Meter). Den Rekord hält der Franzose Vincent Riou, der die bisher letzte Auflage 2004/05 in 87 Tagen, zehn Stunden und 14 Minuten gewann. Auch Sedlacek war damals dabei, doch sein Versuch endete in Kapstadt, nachdem ein Teil des Kielfundaments abgerissen war. "Brother" hieß damals das Schiff, mittlerweile wurde es auf "Austria One" umbenannt und gründlich überarbeitet. "Durchkommen", lautet Sedlaceks Ziel. 30 Boote sind gemeldet. Rund 25.000 Seemeilen haben sie vor sich.

Und was packt man ein für eine lustige Schiffspartie, die, wenn alles gut geht, rund drei Monate dauert, von den Ersatzteilen und der Apotheke einmal abgesehen? "70 Kilogramm dehydrierte Nahrung, 70 Liter Notwasser, den großen I-Pod, Bücher, ein paar DVDs." 400 Liter Diesel und eine 27-PS-Maschine sind an Bord, die Welle ist freilich verplombt, die Maschine entsalzt das Seewasser und lädt die Batterien, wenn die Sonne nicht ausreicht fürs Solarsystem.

Die Route führt von Frankreich runter ums Kap der Guten Hoffnung herum nach Osten, ums Kap Leeuwin in Australien und ums Kap Hoorn zurück in den Atlantik. Im Südmeer sind Wegpunkttore zu passieren, um die Segler fernzuhalten von den Eisbergen.

Vier kleine Flascherln Champagner hat Herr Sedlacek auch noch eingepackt. Eines für Weihnachten, eines für Silvester, eines für seinen Geburtstag am 27. Jänner und eines fürs Kap Hoorn, welches, nimmt man es von Westen nach Osten, nicht ganz so böse ist wie andersrum, aber immer noch böse genug.
(Benno Zelsacher, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 7. November 2008)

  • Norbert Sedlacek und die Austria One üben hart am Wind. Am Sonntag um 13.02 Uhr geht's los. Starker Wind und hohe Wellen sind angesagt.
    foto: jean-marie liot

    Norbert Sedlacek und die Austria One üben hart am Wind. Am Sonntag um 13.02 Uhr geht's los. Starker Wind und hohe Wellen sind angesagt.

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