Staatsgrant

6. November 2008, 18:53
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Demokratisches Verhalten ist hierzulande "vereinsschädigendes Verhalten". Meinungsfreiheit? Anstand? Aber geh.

Der FC Red Bull Salzburg betrieb 2007/2008 einen Umsatz von mehr als 56 Millionen Euro und einen Personalaufwand von mehr als 32 Millionen Euro. Das führte dazu, dass Rapid Meister wurde und beide nicht Champions League spielen.

Und das dortige Getriebe entfernt sich weiter vom Geschiebe auf Österreichs Fußballplätzen. Die Frage ist bloß, ob das Kicken schneller als andere zivilisatorische Errungenschaften verfällt. Die Infrastruktur wird zerstört, die Post schließt bis zu 400 Filialen. ORF-Pensionist Klaus Emmerich schnattert gegen Schwarze. Die FPÖ verlangt Zensur gegen Stermann/Grissemann. In der Schule streichen sie Begleitlehrer (Sprachen wurscht!) und Turnstunden (Gesundheit wurscht!). Wien verklopft seine Straßenbahnen an einen US-Investor. Wiener Bundesligaklubs können nur mit Quasi-Staatsgarantie überleben: Rapid - Wien Energie, OMV. Austria - Verbund. Kärnten steht vor der Selbstauslöschung (FC Kärnten gegen Austria Kärnten).

Fußball kann der Erkenntnis auf die Sprünge helfen: Der Wiener Verein Hellas Kagran warf Spielerinnen hinaus, weil sie an einer Kundgebung gegen die Wahl des ersten Vereinspräsidenten Martin Graf zum dritten Nationalratspräsidenten teilnahmen. Demokratisches Verhalten ist hierzulande "vereinsschädigendes Verhalten". Meinungsfreiheit? Anstand? Aber geh. Die FPÖ feierte bei Hellas Kagran und belästigte gleichzeitig trainierende Spielerinnen mit ihren Liedern. Kein Wunder, dass im Fußball und im Land langsam die Finsternis einsetzt - bei Leuchten wie Martin Graf. (Johann Skocek, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 7. November 2008)

 

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