Wahlen zum US-Senat: Vier offene Rennen, ein verhexter Bezirk

6. November 2008, 21:43
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Entscheidung steht noch in drei Staaten aus - In Minnesota führt der Republikaner Norm Coleman mit gerade einmal 477 Stimmen Vorsprung - Nach dem Gesetz muss neu ausgezählt werden

Washington/Wien - US-Wahlen neigen dazu, magische Zahlen hervorzubringen. Im Jahr 2000 war es die 537. George W. Bush gewann mit 537 Stimmen Vorsprung im Bundesstaat Florida, der Rest ist Geschichte. Die Wahlen vom Dienstag haben die 477 hervorgebracht. Im Bundesstaat Minnesota führt der Republikaner Norm Coleman mit gerade einmal 477 Stimmen Vorsprung auf den früheren Komiker und Demokraten Al Franken, der mit Auftritten in der TV-Show „Saturday Night Live" prominent wurde. Das knappe Resultat ist umso bemerkenswerter, als in Minnesota immerhin 2,9 Millionen gültige Stimmen abgegeben wurden.

Das Wahlgesetz in dem Staat sieht bei einem so knappen Ergebnis eine automatische Neuauszählung vor, die laut New York Times nicht vor Mitte November beginnen wird und mehrere Wochen dauern könnte. Minnesota hin oder her: Die Demokraten haben die Senatswahlen - 35 Sitze wurden vergeben - klar gewonnen und den Republikanern sechs Sitze abgenommen. Die neue Verteilung: Demokraten 57, Republikaner 40. Die Demokraten können dabei auch noch in Georgia und Alaska weiter hoffen.

In dem konservativen Südstaat muss der amtierende republikanische Senator Saxby Chambliss in eine Stichwahl gegen den Demokraten Jim Martin. Chambliss hat die Senatswahl zwar gewonnen, kam aber nicht über die 50-Prozent-Marke. Das dritte offene Rennen spielt sich in Alaska ab: Der wegen Korruption verurteilte Republikaner und Langzeitsenator Ted Stevens (84) führt dort mit rund 3300 Stimmen, aber 50.000 sind noch nicht ausgezählt.

Noch nicht entschieden sind auch die Präsidentenwahlen in Missouri. North Carolina ist ausgezählt, die 15 Wahlmänner gehen an Obama.

Die Wähler haben die Demokraten auch im Repräsentantenhaus gestärkt und ihnen mindesten 20 zusätzliche Sitze verschafft. Mit einem Sieg in Connecticut verdrängten sie gar den letzten republikanischen Vertreter im Repräsentantenhaus aus der nordöstlichen Region New England, die sechs Bundesstaaten umfasst. Demokraten gewannen in Illinois, North Carolina, Pennsylvania und Colorado. Vor den Wahlen hatten Meinungsforscher größere demokratische Zugewinne prognostiziert.

Und schließlich gab es auch demokratische Niederlagen. So verlor etwa in Florida, Tim Mahoney, der wegen einer außerehelichen Affäre in die Schlagzeilen geraten war, seinen Wahlkreis. Ironie am Rande: Mahoney war in seinem Bezirk ausgerechnet jenem Mark Foley nachgefolgt, der im September 2006 selbst wegen einer Sexaffäre zurücktreten musste. Foley hatte damals einen 16-Jährigen Teenager angemacht. In Blogs und Zeitungen wird dieser Wahlkreis Floridas bereits als verwunschen und verhext bezeichnet. (András Szigetvari/DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2008)

 

 

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