Das Erfühlen der zwölf Töne

7. November 2008, 12:08
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Das Arnold Schönberg Center in Wien bietet auch für Jugendliche Zugänge zu Schönbergs Ideenwelt

So angefeindet Schönberg teils als Komponist auch war, als Lehrer zollte man ihm Anerkennung. Sein Bemühen galt aber nicht nur Meisterschülern, er gab auch Basisunterricht. Als er 1933 in die USA immigrierte, begann er - zur Existenzsicherung - am Bostoner Malkin-Konservatorium zu unterrichten. Unter den Kursen, die er abhielt, bewährte sich die "Vorschule der Formenlehre" besonders.

Er hatte sie 1917 schon in Wien erfolgreich unterrichtet: Anfänger sollten Formelemente selbst - "interaktiv" würde man nun sagen - entdecken. In einer "Sprechstunde" , einer der ersten "Workshops" , wurden Fragen der Ästhetik diskutiert, und die Analysen sollten "eventuell auch für Laien" offen sein, so Schönberg in einem Brief. Das Schönberg Center hat sich seinen Namensgeber zum Vorbild genommen und bietet seit drei Jahren Kinder- und Jugendprogramme an. Mit Erfolg. "5000 Schüler haben in dieser Zeit unsere beiden ständigen Programme besucht" , freut sich Direktor Christian Meyer.

"Schönberg klingt schön" führt die 7- bis 11-Jährigen an die Klangwelt des Komponisten heran. "Die Kinder sollen Musik aktiv erleben" , erklärt Meyer den Ansatz. "Am Boden liegt eine große Tastatur mit den zwölf Tönen einer Oktav. Mit einem Klangstab können die Kinder Töne erzeugen, entweder der Reihe nach oder ganz ‚ungeordnet‘. Durch das ‚Spiegeltor‘ - ein Vorhang, auf dessen anderer Seite nochmals eine Tastatur zu finden ist - entdecken die Kinder spielerisch das Prinzip der Spiegelung, der Umkehr. Sie lernen, in der Musik systematisch zu denken, zu erkennen, aber auch, dass man innerhalb von Regeln kreativ sein kann." Zum Abschluss spielt Pianistin Elisabeth Aigner-Monarth Ausschnitte aus Werken Schönbergs.

"Die Kinder können über ihre Höreindrücke sprechen, ‚Unerhörtes‘ ein zweites Mal hören. Auf diese Weise können sie Schönheiten in Schönbergs Musik entdecken." Mitmachen steht auch für die 10- bis 14-Jährigen bei "Schönberg ist klasse!" an oberster Stelle. "Aber die Jugendlichen bekommen viel mehr Dokumentationsmaterial gezeigt, sehen Filme, die Verbindung Schönberg-Berg-Webern ist für diese Altersgruppe schon interessant." Viel Anklang findet das Kinder-Sonderprogramm (6-10 Jahre), das man zur laufenden Ausstellung "Strindberg-Schönberg-Munch" bietet.

"Die Ausstellung thematisiert auch die Verbindung von Emotion und Farbe. Die Kinder ordnen Emotionen wie Hass oder Trauer farbige Steinchen zu, die alle in einem Glasgefäß gesammelt werden. Die Farbmischung gibt der Gruppe einen visuellen Eindruck zu einem Gefühl." Schöner Zusatz: "Es passiert, dass Kinder nach einem Besuch mit ihrer Klasse ihre Eltern ins Center bringen. So erreichen wir ein Publikum, das wir mit Werbung oder Medien vielleicht gar nicht ansprechen könnten." (pch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.11.2008)

Anmeldung: (01) 712 18 88-13

  • Der Pädagoge Arnold Schönberg.
    foto: schönberg center

    Der Pädagoge Arnold Schönberg.

  • Artikelbild
    foto: schönberg center
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