Auf Jungjournalisten wartet harter Praxiseinstieg

6. November 2008, 17:44
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Schlechte Betreuung, miese Bezahlung - Studie zum Download

Jungjournalisten droht schon beim ersten Berufseinstieg ein böses Erwachen. Studierende, die in Medienbetrieben erste Praxiserfahrung machen, sind schlecht betreut und teilweise gar nicht oder zu gering bezahlt: Das ergab eine von Journalistengewerkschaft und Verein für Journalistenausbildung in Auftrag gegebene und vom Journalistikinstitut der Universität Salzburg durchgeführte Studie.

Rund 800 Praktikanten arbeiteten demnach 2007 in österreichischen Medienbetrieben. Zwei Monate verbringt ein Neuling in der Regel in seinem Ferialjob. Er arbeitet in einer 37-Stunden-Woche und erhält dafür 400 Euro.

Die Bezahlung erfolge oft nach dem Prinzip "Was Sie gerne geben", berichtete Studienleiter Roman Hummel. 800 Praktikanten, das ergäbe umgerechnet 114 Vollzeitjobs, rechnete Gewerkschafter Fritz Wendl (ORF) um: "Der Verdacht liegt nahe, dass Medienfirmen mit Praktikanten einen Rückgriff auf Billig- oder gar Gratisarbeitskräfte etablieren wollen." Wendl vermutet verdeckte Prekariate. Ganz schlecht kommen Privatradios weg: Dort müssen die meisten Praktikanten gratis werken. Zu 20 festangestellten Mitarbeitern kamen bei einem Sender gleich 70 Praktikanten ohne Bezahlung. Andere schrieben ihr Praktikum als "Workshop" aus, um sich ums Gehalt zu drücken. "Abstrus! Demnächst wird man zahlen müssen!", sagt GPA-Chef Wolfgang Katzian. Bei Printmedien regelt ein Kollektivvertrag auch diese Art der Beschäftigung: 525 Euro brutto.

Mit dem Niveau des Gebotenen sind rund zwei Drittel zufrieden. Ein Viertel klagt aber über bestenfalls mittelmäßige Betreuung: Nur 50 Prozent der Medien können eigene Ausbildner abstellen. "Ich mach's mal, dann weiß ich irgendwann, wie's geht", kritisiert Hummel informelle Wege im Praktikum. Lohnt der Ausflug in die Praxis? Immerhin ein Viertel schafft den Einstieg und wird Journalist.

DER STANDARD bildet pro Jahr 30 Praktikanten aus und bezahlt nach Kollektivvertrag. Am ersten Tag ihres einmonatigen Praktikums erhalten die Volontäre eine Einführung. Sie begleiten Redakteure zu Pressekonferenzen, schreiben Artikel. Mit Arbeits- und Gehaltsbestätigung und auf Wunsch mit Arbeitszeugnis kehren sie zum Studium zurück. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2008)

  • Allmer, Robert/Hummel, Roman (2008). Kuli, Taschengeld, Händedruck und tschüss? Praktikanten in österreichischen Medienunternehmen 2008. Forschungsbericht im Auftrag der Gesellschaft für Publizistik und Medienforschung und der Journalistengewerkschaft.

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