Heroin aus Afghanistan überschwemmt EU

6. November 2008, 17:13
8 Postings

Drogenbericht: Opiate bleiben das größte Problem, Zahl der Drogentoten rückgängig

Brüssel/Wien - Immer mehr Heroin und dessen Grundstoff, Opium, kommen aus Afghanistan in die EU. Die Produktion in Afghanistan sei "dramatisch angestiegen" , geht aus dem neuesten Bericht der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) hervor.

"Zwar deuten die aktuellen Belege nicht auf eine dramatische Verschärfung der Heroinproblematik hin, wie sie in den 90er-Jahren in großen Teilen Europas zu verzeichnen war" , sagte Wolfgang Götz, Direktor der EBDD, "dennoch können wir die Augen nicht vor den Gefahren durch eine Heroinschwemme auf dem Weltmarkt verschließen."

Nach aktuellen Schätzungen leben in der EU zwischen 1,3 und 1,7 Millionen "problematische Opioid-Konsumenten" . Das stark steigende Angebot könnte hier einen Dominoeffekt auslösen, meinen die Experten der Beobachtungsstelle. Jedes Jahr werden in Europa mindestens 7000 bis 8000 drogeninduzierte Todesfälle verzeichnet, wobei Überdosierung die häufigste Todesursache bei jungen Menschen in Europa ist. Rund 80 Prozent aller tödlichen Überdosierungen sind auf den Konsum von Opioiden zurückzuführen. Die meisten Mitgliedstaaten meldeten eine Zunahme der drogenbedingten Todesfälle.

Besonderes Augenmerk liegt in diesem Jahr auf den vermehrten Meldungen von Problemen in Verbindung mit synthetischen Opioiden, die sonst in der Medizin als Schmerzmittel Verwendung finden. In Lettland und Estland gibt es beispielsweise Anzeichen für ein wachsendes Problem durch die Verfügbarkeit von 3-Methylfentanyl (Fentanyl).

Boomender Online-Internetmarkt

Eine weitere gefährliche Entwicklung: ein boomender Online-Internetmarkt, der hunderte verschiedene Substanzen anbietet. Vermehrt kommen auch dubiose "Legal Highs" - unterschiedlichste Kräuter und Zubereitungen - auf den Markt, die von der Gesetzgebung (noch) nicht reguliert sind. "Marktinnovationen sind heutzutage eine große Herausforderung für die vorhandenen Strategien" , sagte Götz.

Am Donnerstag wurden auch Details aus dem österreichischen Drogenbericht bekannt. Demnach ging die Zahl der Drogentoten nach jahrelang steigender Tendenz zurück: 2007 starben 175, im Jahr davor 197 Menschen wegen Suchtmittelmissbrauchs. Illegale Drogen konsumieren hauptsächlich Jugendliche. 18 Prozent der Schüler (15 bis 16 Jahren) haben Cannabis probiert.

"Es ist erfreulich, dass die Zahl der Drogentoten rückgängig ist" , sagt Michael Dressel, Wiener Drogenkoordinator. Die Zahl der Suchtkranken in Therapie ist gestiegen. Von 10.000 Kranken in Ersatzmittelbehandlung werden allein 7000 in Wien behandelt. Schätzungsweise 200 von ihnen handeln illegal mit ihren Medikamenten. Am Karlsplatz will man das eindämmen. Die FPÖ und die Grünen können der Aktion nichts abgewinnen. FP-Drogensprecher David Lasar verlangt mehr Polizei und gesetzliche Möglichkeit für "Zwangsentzug" . Die Grüne Suchtsprecherin Heidi Cammerlander setzt sich für mehr Sozialarbeiter am Karlsplatz ein und fordert einen Konsumraum. (mimo, mil, DER STANDARD - Printausgabe, 7. November 2008)

Share if you care.