"Ärzte sind die Oberdealer"

6. November 2008, 17:05
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Ex-Süchtige fordert mehr Präventionsmaßnahmen

Wien - Mit "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" fing es an. "Christiane F. war jung und hübsch und hatte viele Freunde. Das wollte ich auch. Und hab Heroin ausprobiert" , erzählt Marlene G. (Name geändert).
Mit 15 Jahren fing G. an, Drogen zu nehmen. Heute, zehn Jahre später, ist sie clean. Die 25-Jährige hat es geschafft, aus dem Drogensumpf herauszukommen. Ihr zweites Wohnzimmer war damals der Wiener Karlsplatz. "Ich habe alles genommen, angefangen von Heroin bis zu Substitutionspräparaten. Wenn möglich, intravenös. Gleich geschossen." Die Eltern waren machtlos, in Therapieprogramme wollte Marlene G. nicht. "Eigentlich hat niemand geglaubt, dass ich überhaupt 18 werde" , erzählt die junge Frau.

Mittlerweile hat sie einen Job. Und ein Kind. "Mit 18 habe ich heimlich entzogen und die Pille abgesetzt. Das hat mein damaliger Freund, auch ein Junkie, nicht so toll gefunden. Aber ich brauchte einen Sinn zum Weiterleben."

"Wie fertig man ist, das wissen die Leute nicht. Das sagt einem in der Schule keiner, wo die Aufklärung über Drogen eigentlich stattfinden sollte. Unser Lehrer hat uns den Film über den Bahnhof Zoo gezeigt. Das war's." G. übt nicht nur Kritik an den Schulen, sondern auch an den Ärzten: "Die Ärzte sind die Oberdrogendealer. Unter den Süchtigen werden Listen herumgereicht, welcher Arzt am meisten Substi verschreibt."

Den Behörden ist die Problematik bekannt. InWien wird deswegen seit Anfang November jeder illegale Substitolhandel angezeigt und Missbrauch innerhalb eines Tages Amtsärzten gemeldet. Die Suchtkranken müssen darauf künftig bei der Einnahme des Drogenersatzes beaufsichtigt werden. (Marijana Miljković, DER STANDARD - Printausgabe, 7. November 2008)

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