"Die Wahrheit ist: Er ist noch nicht verbrannt"

6. November 2008, 17:12
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Jörg Haiders Witwe bestätigt, dass der Leichnam ihres Mannes noch nicht bestattet wurde - Ein STANDARD-Interview

Standard: Frau Haider, ist der Leichnam Ihres Mannes mittlerweile eingeäschert und bestattet worden - oder stimmt es, dass das noch immer nicht geschehen ist?

Haider: Gegenfrage: Wen geht das jetzt noch etwas an?

Standard: Wahrscheinlich niemanden außer Ihrer Familie, aber es interessiert die Öffentlichkeit und nährt Gerüchte im ganzen Land.

Haider: Ich weiß schon, aber könnte man einfach einmal darum bitten, dass man uns in Ruhe lässt? Er ist nicht mehr der Landeshauptmann von Kärnten. Aber deswegen haben Sie mich nicht angerufen. Die Wahrheit ist: Er ist noch nicht verbrannt.

Standard: Das ist doch eine ungewöhnlich lange Zeit, die seit dem Requiem in Klagenfurt am 18. Oktober vergangen ist.

Haider: Es ist so, weil die Friedhofsfrage noch nicht gelöst ist. Bevor ich nicht alle Genehmigungen bei mir am Tisch habe, geht es nicht. Und ich lasse mir später sicher nicht nachsagen, dass ich da nicht alle Bestimmungen eingehalten habe.

Standard: Ist es nicht verständlich, dass sich viele Leute nicht vorstellen können, dass man gerade beim ehemaligen Landeshauptmann bürokratische Hürden schafft, wenn seine Familie ihn auf ihrem Privatgrund beisetzen lassen will?

Haider: Nein, ganz verstehe ich das nicht. Ich brauche doch nichts zu verheimlichen. Es ist doch ein ganz normaler Grund. Bauen S' ein Haus, dann wissen Sie, wie lange das braucht, bis man alles beieinander hat.

Standard: Das heißt, die Ämter arbeiten einfach langsam ...

Haider: Sie tun eh schnell, aber was willst machen, wenn das so lange dauert. Die Woche hat halt am Amt nur fünf Tage. Das kommt ja nur uns alles so furchtbar lang vor, weil da noch das Wochenende dazwischen ist. Diese Spekulationen finde ich langsam unerträglich

Standard: Bekommen Sie jeden Tag Anrufe, weil man auch Sie zu den diversen Spekulationen befragt?

Haider: Na ja, lesen Sie die ganzen Zeitungen, dann können Sie es sich vorstellen. Aber nein, alle lese ich ja auch nicht.

Standard: Es gibt ja auch Menschen, die nicht glauben wollen, dass es ein Unfall war. Die Theorie eines Mordanschlags wird durch das Warten auf eine Bestattung zusätzlich genährt. Vor allem im Zusammenhang mit angeblichen weiteren Obduktionen.

Haider: Ich habe schon mehrmals gesagt: Ich bin kein Freund von irgendwelchen Verschwörungstheorien. Aber ich will weitere Untersuchungen auch nicht ganz ausschließen. Nur: Auch das ist bitte ganz allein meine Privatsache. Das geht niemanden mehr etwas an.

Standard: Das klingt nach einer Zeit, in der Sie auch viele andere schwierige Entscheidungen treffen müssen.

Haider: Ja, viel Kraft brauche ich jetzt wirklich. Einen Tod zu verkraften ist schon eine schwierige Arbeit, aber was da sonst noch alles für uns dazukommt, das geht für mich wirklich immer wieder an die Maximalgrenze.

Standard: Aber dass sich die Öffentlichkeit auch für das Privatleben Ihres Mannes interessiert, weil er eben war, wer er war, ist trotz aller Belastung doch nicht überraschend?

Haider: Ja, aber man muss sich da mit Dingen beschäftigen, mit denen man sich eigentlich gar nicht beschäftigen will. Man will eigentlich einfach ein Grabkreuz und einen Grabstein aussuchen und solche Sachen erledigen.

Standard: Ist es ebenso nur ein Gerücht, dass sich die katholische Kirche dagegen querlegt, dass die Urne Ihres Mannes in einer Kapelle im Bärental bestattet wird, weil man keine Pilgerstätte will?

Haider: Das ist auch ein Humbug. Außerdem ging es nicht um eine Kapelle, sondern um eine Kirche. Aber welche, das muss keiner wissen. Die Sache ist so: Und wenn ich ihn in meinem Vorgarten begraben lassen will, geht das nur mich allein etwas an!

Standard: Dann werden Sie wohl auch nicht bekanntgeben, wann die Beisetzung schließlich stattfinden wird, sondern das in aller Stille machen?

Haider: Aber in aller Stille, da können Sie sicher sein. Da wird dann wirklich nur mehr die Familie dabei sein. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2008)

Zur Person: Claudia Haider wurde 1956 in Tirol geboren und war 32 Jahre lang mit Jörg Haider verheiratet, der Ehe entstammen zwei Töchter. Sie ist im Vorstand der Kärntner Jägerschaft und war zwei Perioden lang Gemeinderätin in Feistritz im Rosental, der Heimatgemeinde des Familiensitzes im Bärental.

  • "Und wenn ich ihn in meinem Vorgarten begraben lassen will, geht das nur mich allein etwas an!", sagt Claudia Haider.
    foto: gert eggenberger

    "Und wenn ich ihn in meinem Vorgarten begraben lassen will, geht das nur mich allein etwas an!", sagt Claudia Haider.

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