Über die Psychologie der GmbH zum Nulltarif

6. November 2008, 17:00
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Das "Erfolgsmodell GmbH" könnte an Bedeutung verlieren, weil Gesellschaftsgründungen in anderen EU-Ländern billiger zu haben sind

Wien - "So einfach wie möglich - aber nicht einfacher." Genau das sollte für die Rahmenbedingungen von Gründungen gelten, befanden die Experten in der Podiumsdiskussion "Unternehmensgründung zum Nulltarif?" . Eingeladen vom Standard und der Notariatskammer, nahmen Brigitte Jank (Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien), Bernhard Felderer (IHS-Chef), Michael Umfahrer (Notariatskammer) und Heinz Krejci (Unternehmenrechtler, Uni Wien) die Gesellschaft mit beschränkter Haftung unter die Lupe.
"Die Geschichte GmbH ist eine Erfolgsstory" , hielt Krejci fest, zukünftig könne sie jedoch an Attraktivität einbüßen, wie sie es durch die Möglichkeit, Gesellschaftsformen anderer EU-Staaten anzunehmen, getan hat. Während die Reform des österreichischen GmbH-Rechts auf Eis liegt, hat die EU-Kommission im Juni ihren Vorschlag für eine vereinheitlichte, europäische Personengesellschaft mit beschränkter Haftung vorgelegt: Die SPE (Societas Privata Europea) soll mit einem Euro Mindestkapital und nur schriftlichen, nicht beurkundeten Verträgen gegründet werden können. Wenig, im Vergleich zu den 35.000 Euro Mindestkapital, die das österreichische GmbH-Gesetz zurzeit vorschreibt.

Begleitmaßnahmen

Zu wenig, wenn es nicht mit den in angloamerikanischen Ländern üblichen Begleitmaßnahmen im Insolvenz- und Strafrecht zwecks Rechtssicherheit und Gläubigerschutz eingeführt werde, stimmten Krejci und Felderer überein. Damit wäre die Haftung gleich weniger beschränkt und beträfe den Unternehmer persönlich: "Wenn du übersiehst, dass die Aktiva höher als die Passiva sind und das nicht sofort offenlegst, machst du dich strafbar" , erklärte Felderer. Mögliche Einschränkungen sollen in der neuen Verordnung den Nationalstaaten überlassen werden.
Gegen eine Herabsetzung des Mindestkapitals der traditionellen GmbH spreche nichts, war man sich einig; auch mit 35.000 Mindestkapitaleinalge könne man in Konkurs gehen. Als psychologische Maßnahme zur Prüfung der Ernsthaftigkeit des Unternehmers sei es unter den momentanen Bedingungen jedoch notwendig. "Sonst wär's wie im Kasino: Einsatz ein Euro, gewinn ich was, schön, gewinn ich nicht, egal" , brachte es Krejci auf den Punkt.
Für eine Senkung des Mindestkapitals auf 10.000 Euro trat Brigitte Jank ein. Damit wäre die Ernsthaftigkeit gegeben, Abschreckung jedoch eingedämmt. Die Attraktivität der GmbH mache neben den Steuer- und Sozialversicherungsvorteilen nach wie vor die beschränkte Haftung aus. Diese könne gerade junge Unternehmer darin bestärken, dass unternehmerische Risiko überhaupt auf sich zu nehmen, denn "zu viele mögliche Unternehmer schaffen es gar nicht in die Selbstständigkeit." Sie wolle eine Lanze für die Vergünstigung, Vereinfachung und Flexibilisierung der Gründung brechen.

Bedeutung der Notare

Umfahrer unterstrich die Bedeutung der Notare dabei - übernehmen sie doch Rechtsformberatung bis hin zur urkundlichen Beglaubigung der Gründung. "Beratungskosten sind gut angelegtes Geld" , sagte Umfahrer. Spätere rechtliche Probleme würden so gleich zu Beginn vermieden, alles wäre dokumentiert und nachvollziehbar.
Gegen verpflichtende Beratung sprachen sich aber Federer und Jank aus. "Der Unternehmer muss wissen, was er tut und wann er Beratung braucht" , sagte Jank. Sie ist für ein standardisiertes Formblatt für die Verträge unkomplizierter GmbHs aus, um auch Notarkosten zu sparen.
Uneinigkeit herrschte unter den Diskutanten über das Ausmaß an Vorschriften bezüglich Beurkundungen oder zum Beispiel Firmenbucheintragungen. Sehr einig waren sich die Teilnehmer bezüglich GmbH-Gründungen, auch in Anbetracht der kommenden SPE: 10.000 Euro Mindestkapital und den Prozess "ja, unbedingt vereinfachen." (Martina Bachler, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.11.2008)

  • Michael Umfahrer (Notariatskammer), Brigitte Jank (Wirtschaftskammer), Moderator Eric Frey (der Standard), Bernhard Felderer (IHS), Heinz Krejci (Universität Wien).
    foto: standard/hendrich

    Michael Umfahrer (Notariatskammer), Brigitte Jank (Wirtschaftskammer), Moderator Eric Frey (der Standard), Bernhard Felderer (IHS), Heinz Krejci (Universität Wien).

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