Republikaner vor der Zerreißprobe: Was machen McCain und Palin?

6. November 2008, 16:51
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Die "Grand Old Party" diskutiert, wie es nach der Wahlniederlage weitergehen soll

Vom "Todesröcheln des US-Konservatismus" will bei den Republikanern noch keiner etwas wissen. Innerhalb der Partei bestehen aber große Differenzen über die Frage, wie es nach der Wahlniederlage weitergehen soll.

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Washington/Wien - Am Beginn des kommenden Jahres soll der neue Vorsitzende des Republican National Committee gekürt werden. Der derzeitige Amtsinhaber Mike Duncan erklärte einen Tag nach der Wahl Barack Obamas, es sei jedenfalls zu zeitig, vom "Todesröcheln des amerikanischen Konservatismus" zu sprechen. Damit hat er vermutlich recht, klar erscheint jedoch, dass die "Grand Old Party" in nächster Zeit einer Zerreißprobe unterzogen wird - jede einzelne Faktion will die GOP nach ihrem eigenen Image neu erschaffen.

Da gibt es die Evangelikalen, die sich von Mike Huckabee, dem ehemaligen Gouverneur von Arkansas, angesprochen fühlen - und jene an Business orientierten, für die Mitt Romney die Partei am besten vertreten könnte. Aufstrebende Kräfte in der GOP sind etwa Bobby Jindal, der dynamische indisch-amerikanische Gouverneur von Louisiana. Oder der ebenso als gemäßigt geltende Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty. Beide waren im Übrigen als Vizepräsidentschaftskandidaten im Gespräch, bevor John McCain die Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, auswählte.

Umstrittene Führung

Aber nicht nur die Partei, sondern auch der Vorsitz der nunmehr klaren Minderheit im Kongress könnte nach neuen Führungsfiguren suchen. Der Minderheitenführer im Senat, Mitch McConnell, konnte seinen Sitz nur mit äußerster Mühe halten, und John Boehner, sein Gegenüber im US-Repräsentantenhaus, zittert um seinen eigenen Posten im Kongress.
Kein Wunder also, dass die Republikaner schon vor den Wahlen versuchten, das Schreckensbild eines diabolischen Trios - Nancy Pelosi im Repräsentantenhaus, Harry Reid im Senat und Barack Obama im Weißen Haus - an die Wand zu malen, um so der Partei wenigstens ein gemeinsames Feindbild zu vermitteln. Wie Mike Duncan erklärte: "Wir müssen gegen ihn stehen; und für und mit der Mitte-rechts- Nation, der wir dienen".

Was mit John McCain geschehen wird, ist noch ungewiss: Einstweilen wird er jedenfalls an seinen Arbeitsplatz im Senat zurückkehren. Ihm bleibt der Weg offen, sich - sozusagen als Gegenstück des Demokraten Ted Kennedy - als graue Eminenz der Republikaner zu profilieren. Ob er sich allerdings nach dem untergriffigen Wahlkampf die wenigen Freunde, die er in seiner Partei zählen konnte, behalten hat, bleibt dahingestellt.

Gerätselt wird auch über das Schicksal von Sarah Palin. In einem Telefonat, in dem sich ein kanadischer Komiker als Nicolas Sarkozy ausgab und das Palin für bare Münze nahm, erklärte sie, "in acht Jahren" eventuell selbst kandidieren zu wollen. In einem Interview meinte sie, sie hätte "das alles nicht für nichts" getan. Spekuliert wird, sie könnte schon 2012 versuchen, ihre Pläne zu verwirklichen. (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2008)

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    Winken zum Abschied: Mit Sarah Palins Plänen für das Weiße Haus ist es vorbei - vorerst. Spekuliert wird, sie könnte bald selbst kandidieren.

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