Lemminge geraten in Klima-Schwierigkeiten

6. November 2008, 16:54
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Bestand der Nager in Norwegen schmilzt wegen der steigenden Temperaturen dahin - Regelmäßiges Massenauftreten der Tiere bleibt aus

Oslo/London - Nicht etwa der vielzitierte Massenselbstmord, sondern der Klimawandel bedroht die Zukunft der Lemminge in Nordeuropa. Ersteres ist ein Mythos, der sich nach wie vor hartnäckig hält, letzters dagegen zeigt bereits schwerwiegende Folgen für die Bestände der Nager.

Die Untersuchungen norwegischer Wissenschaftler belegten, dass die Zahl der Lemminge im südlichen Landesteil in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist. Grund sei vor allem die im Winter immer häufiger fehlende oder unzureichende Schneedecke.

Keine Bevölkerungsexplosion mehr

Als wichtigste bereits sichtbare Veränderung nannte das Team um die Biologen Nils Stenseth und Kyrre Kausrud von der Universität Oslo das Ausbleiben der früher regelmäßig alle drei bis fünf Jahre auftretenden Bevölkerungsexplosion unter Lemmingen. Die folgenden Massenwanderungen zur Suche nach Futter, bei denen sich große Tiergruppen zum Schwimmen ins Wasser stürzten, führten zum Mythos vom angeblichen Massensuizid.

Tatsächlich aber folgten auf eine starke Bestandszunahme Hunger und Aggressivität bei der Konkurrenz um die nun zu geringe Nahrungsmenge. Beides reduzierte die Bestände jeweils kräftig.

Fehlender Schutz

Nach den Erhebungen der norwegischen Wissenschaftler, deren Ergebnisse im britischen Fachjournal "Nature" veröffentlicht wurden, bleibt die zeitweise drastische Zunahme der Lemmingbestände jetzt aus, weil es nur noch selten ausreichend lange kalt ist, um Hohlräume zwischen Schneedecke und Erdreich zu erzeugen. Diese aber benötigen die Lemminge zum Schutz vor Kälte und dem Zugriff durch Fressfeinde. (APA/red)

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    Die vermeintlichen "Suizid"-Nager sind in ihren Beständen bedroht, Grund dafür ist der Temperaturanstieg der letzten Jahre.

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