Deutsche Telekom tritt auf der Stelle

6. November 2008, 14:36
1 Posting

Der Vorstand erwartet 2009 ein stabiles bis leicht steigendes operatives Ergebnis, der Abwärtstrend sei in den zwei Jahren gestoppt worden

Wien - Die Deutsche Telekom wird trotz aller Sparanstrengungen nach eigener Einschätzung auch im nächsten Jahr im laufenden Geschäft auf der Stelle treten. Der Vorstand erwarte 2009 ein stabiles bis leicht steigendes operatives Ergebnis (Ebitda), sagte Konzernchef Rene Obermann am Donnerstag in Bonn.

Der Abwärtstrend sei in den zwei Jahren seit seinem Amtsantritt gestoppt worden, bilanzierte der Vorstandschef. Der Bonner Telefonriese habe brutto schon 3,5 Mrd. Euro eingespart und sei auf gutem Weg, die für 2010 angepeilten Kostensenkungen von 4,7 Mrd. Euro früher als geplant zu erreichen.

Obermann versucht dem Inlands-Geschäft vor allem mit Kürzungen beim Personal und neuen Angeboten auf die Sprünge zu helfen. Gleichzeitig will er das Geschäft im Ausland stärken, wo die Telekom allein noch wächst. Im dritten Quartal stieg der operative Gewinn um 2,4 Prozent auf 5,3 Mrd. Euro, obwohl der Umsatz um 1,5 Prozent auf 15,5 Mrd. Euro schrumpfte. Doch zum Jahresende wird es wie im Jahr 2007 nur zu einem um Sonderfaktoren bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 19,3 Mrd. Euro reichen, wie Obermann bekräftigte.

Viel mehr wird es auch 2009 nicht werden. Obermann wies aber darauf hin, dass der Beitrag der griechischen Telekom OTE noch nicht in der Planung enthalten sei. Die Deutsche Telekom war im Frühjahr bei dem griechischen Telekommunikationskonzern mit 25 Prozent plus einer Aktie eingestiegen und will ihn ab Anfang 2009 in der Bilanz konsolidieren. An der OTE war auch die Telekom Austria interessiert gewesen.

"Quartal für Quartal haben wir seit Beginn 2007 unsere Ziele erreicht", so Obermann. Das Geschäft erweise sich auch in der Finanz- und Wirtschaftskrise als stabil. Obermann sieht die Telekom aber solide finanziert und gut gerüstet, die Folgen der Krise zu meistern. Wie 2008 sollen auch im kommenden Jahr rund 6,6 Mrd. Euro frei verfügbare Mittel (Free Cash-Flow) aus dem Geschäft generiert werden. "Auf dieser Basis wollen wir auch künftig an unserer Politik der Zahlung attraktiver Dividenden festhalten", sagte Obermann.

Starker Euro und Firmenverkäufe

Der starke Euro und Firmenverkäufe, vor allem aber der starke Wettbewerb auf dem deutschen Markt mit sinkenden Preisen ließen den Umsatz im dritten Quartal sinken. Vor allem in der Festnetzsparte T-Home schrumpfen die Erlöse. Sie kämpft gegen den Verlust von herkömmlichen Telefonanschlüssen, der sich erst allmählich verlangsamt. Das wachsende DSL-Geschäft, in dem die Telekom auf 46 Prozent Marktanteil kommt, kann dies noch nicht auffangen. "Bis zum Ende der Dekade schaffen wir den Turnaround bei T-Home", versprach Obermann.

Auch der Mobilfunk- und Geschäftskundensparte setzte der Preisdruck in der Branche zu. Wachstum kam erneut nur aus dem Ausland. Dennoch verhalfen die Mobilfunktochter T-Mobile, vor allem aber Kostensenkungen der Telekom zu einer operativen Gewinnsteigerung. Das Festnetz- und das Geschäftskundensegment ließen Federn. Steuereffekte und sinkende Personalkosten ließen den Nettogewinn im Quartal von 256 auf 895 Mio. Euro ein Jahr zuvor steigern.

Analysten begrüßten, dass die Deutsche Telekom sich überhaupt eine Aussage über das nächste Jahr zutraut. Viele Konkurrenten warteten angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten mit einer Prognose, erklärte die DZ Bank. Die Telekom scheine sich vergleichsweise sicher zu fühlen. Die Telekom sollte eines der Unternehmen sein, die 2009 ein bescheidenes organisches Wachstum zeigten, schrieben die Experten von Kepler. Für Morgan Stanley bleibt die Telekom ein bevorzugter Wert in ihrem europäischen Aktienportfolio. Die T-Aktie verlor am Donnerstag 1,65 Prozent, deutlich weniger als die meisten anderen DAX-Werte. (APA)

 

Share if you care.