Tirol: Kubanischer Schlepperring ausgehoben

6. November 2008, 14:23
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116 Verdächtige ermittelt - Personen sollten erschwindelte Schengenvisa bekommen, um in USA einreisen zu können

Innsbruck - Ein Schlepperring mit 116 verdächtigen Österreichern und Kubanern ist nach einjährigen Ermittlungen in Tirol ausgehoben worden.

"Grundsätzlich sollte in Kuba lebenden Personen durch Schengenvisuma die Einreise über Spanien und Mexiko in die USA ermöglicht werden", erklärte der Bereichsleiter für Schlepperei und Menschenhandel am Landeskriminalamt . Einige Personen seien aber im europäischen Raum hängen geblieben.

Die Visa seien aufgrund "unrichtig gemachter Angaben und falscher Voraussetzungen" von  Behörden in Deutschland, Österreich und Spanien ausgestellt worden. "Mit einem Schengenvisum ist es einfacher nach Mexiko zu kommen und weiter nach Amerika zu reisen", erläuterte der Kriminalbeamte. Noch sei man dabei, jeden individuellen Fall abzuklären und die Tatvorwürfe den einzelnen Personen zuzuordnen.

Bis zu 200 Personen sollte zu einem Aufenthalt in den USA und Europa verholfen worden sein. In den vergangenen Monaten mussten sich rund 60 Personen am Landesgericht Innsbruck verantworten. Mit einer Bußgeldzahlung wurde gegen den Großteil das Verfahren eingestellt. "Nachdem der Sumpf ausgearbeitet ist, rechnen wir bis Frühjahr 2009 mit einer Anklage gegen die 15 Haupttäter", erklärte die zuständige Staatsanwältin, Dagmar Unterberger.

Schnelles Geld

Am Donnerstag musste sich ein 31-jähriger Tiroler dem Vorwurf der Schlepperei verantworten. Er soll als "Einlader" fungiert haben. Mit der Unterzeichnung eines fingierten Einladungsschreibens soll er einem Kubaner die rechtswidrige Einreise in die EU ermöglicht haben. Mit "schnellen 150 Euro" sei er von zwei Männern geködert worden, hätte allerdings 100 Euro wieder zurückgegeben und 50 Euro für die Unterschrift beim Notar bezahlen müssen. Er musst einen Melde- und Lohnzettel sowie einen Staatsbürgerschaftsnachweis für die Ausstellung des falschen Visums mitnehmen. "Mir kam das damals alles nicht komisch vor. Ich habe den beiden vertraut. Hätte ich gewusst, worum es hier geht, hätte ich es gleich gelassen", beteuerte der 31-Jährige seine Unschuld. Erst nachdem er mit der Kripo telefoniert hatte, habe er eine Ahnung von dem Umfang bekommen.  (APA)

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