Raiffeisenchef stellt ORF1 nach

6. November 2008, 17:41
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"Wir sind an Wachstum interessiert. Wie Sie ja sicher wissen, braucht der ORF derzeit auch dringend Geld", sagt Raiffeisenchef Christian Konrad dem Magazin "Journalist"

Die Vorhut bildete Ferdinand Maier (nicht zum ersten Mal) im Sommer: Der Manager der Raiffeisen-Medienbeteiligungen dachte laut über eine ORF-Holding nach, unter der öffentlich-rechtliche und eher kommerzielle Kanäle getrennt geführt werden. An den kommerziellen können sich Private beteiligen. Subtext: zum Beispiel Raiffeisen.

Das Modell hatten schon ORF-Generalskandidaten wie PR-Berater Reinhold Henke und Rudi Klausnitzer (in einem STANDARD-Gastkommentar) gewälzt.
In Maiers Windschatten sinnierten die Raiffeisen-Berater Klaus Pekarek (pikanterweise Chef des ORF-Stiftungsrats) und Monika Lindner, Exchefin des ORF, über private Beteiligungen an ORF 1.

Nun rückt der Raiffeisen-General selbst aus. Christian Konrad bestätigt dem Branchenmagazin "Der österreichische Journalist" Interesse an ORF1: "Richtig. Wir sind an Wachstum interessiert. Wie Sie ja sicher wissen, braucht der ORF derzeit auch dringend Geld."

Das könnte man auch von Banken sagen, auch von Raiffeisen: Vom STANDARD auf Konrads ORF-Ambitionen angesprochen, erinnern wesentliche SP-Funktionäre daran, dass wohl auch Raiffeisen auf die milliardenschwere staatliche Bankenhilfe zurückgreift. Konrads Aussagen wertet man in der SPÖ als Signal der Giebelkreuzler, sie hätten trotz Finanzkrise keine Probleme. Beteiligung an ORF1 habe Raiffeisen längst durchgerechnet, ob sinkender Werbeerlöse und Quoten aber verworfen. Ein Verkauf sei kein Thema, hieß es bei den Sozialdemokraten, der im Stiftungsrat des ORF größten Fraktion. Der "Journalist" befragte Konrad laut Auskunft dort um den Ausbruch der Finanzkrise.

Raiffeisen hält bereits 40 Prozent an der ORF-Sendertochter ORS, der ORF könnte weitere Anteile daran verkaufen. Die Giebelkreuzler kontrollieren gut 50 Prozent am Kurier, der an der News-Gruppe beteiligt ist; sie halten 20 Prozent an den Niederösterreichischen Nachrichten, 24,5 an Sat.1 Österreich, 50 am Plakatriesen Epamedia.

Konzernboss Christian Konrad bestätigt: Raiffeisen Niederösterreich-Wien würde sich an ORF 1 beteiligen. Die SP sieht keine Verkaufsabsicht, wundert sich, wie Kaufplan und - erwartete - staatliche Bankenhilfe zusammenpassen. Der Stiftungsrat des ORF verabschiedete zuletzt mit Mehrheit eine Resolution, keine Kanäle zu verkaufen. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2008)

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  • Waidmannsheil! Raiffeisenchef Christian Konrad visiert eine Beteiligung
an ORF1 an. Ein Ablenkungsmanöver, sagt die SP.
    foto: standard/corn

    Waidmannsheil! Raiffeisenchef Christian Konrad visiert eine Beteiligung an ORF1 an. Ein Ablenkungsmanöver, sagt die SP.

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