Vor 1.700 Jahren stand Carnuntum im Brennpunkt der römischen Politik

6. November 2008, 13:50
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Kaiserkonferenz sollte die schwelenden Thronstreitigkeiten beilegen, doch die von Diokletian eingeführte "Tetrarchie" hielt nur kurz

Petronell-Carnuntum/Wien - Vor 1.700 Jahren, im November des Jahres 308, stand Carnuntum, Hauptstadt der römischen Provinz Pannonia Superior (Ober-Pannonien), für einen Monat im Zentrum der Politik im Imperium Romanum: Eine Kaiserkonferenz sollte die nach der Abdankung der beiden "Augusti", Kaiser Diokletian (reg. seit 284) und Maximianus (reg. seit 285), im Jahr 305 n. Chr. schwelenden Thronstreitigkeiten beilegen. Vorübergehend kam es zu einer Rettung der von Diokletian eingeführten Viererherrschaft im Römischen Reich, der sog. Tetrarchie, doch sollte der "Aufsteiger" Konstantin allmählich seine Mitkaiser verdrängen und 324 Alleinherrscher im Reich werden.

Das Imperium Romanum hatte Mitte des dritten nachchristlichen Jahrhunderts als Folge der Erhebung von Kaisern durch Truppenteile, der sogenannten Soldatenkaiser, schwere innere Krisen und auch Abspaltungen erlebt. Als Germanen und Perser gleichzeitig anstürmten, drohte dem Reich der Untergang. Die Rettung erfolgte durch die Kaiser Aurelian (reg. 270-75), der nach Preisgabe der Provinz Dacien (das heutige Rumänien) mit Waffengewalt die Reichseinheit wiederherstellte, und durch Diokletian (reg. 284-305), der dem Reich eine neue Verfassung gab.

"Tetrarchie"

Diokletian führte kurz nach Regierungsantritt die "Tetrarchie" ein: Er ernannte seinen Mitkämpfer Maximianus 285 zum "Caesar", ein Jahr später zum "Augustus" und überließ ihm den Westen des Reiches als Aufgabenbereich. Seine Residenz war Mediolanum, das heutige Mailand. Diokletian selbst behielt sich den Osten des Reiches vor, den er von Nikomedia (das heutige türkische Izmit oder Kocaeli ) aus regierte. Beide Augusti erhielten einen "Caesar" (Unterkaiser): Maximianus den in Treverorum (Trier) residierenden Constantius Chlorus und Diokletian selbst Galerius, der in Sirmium (das heutige serbische Mitrovica) residierte. Die beiden Augusti sollten nach jeweils 20 Jahren abdanken und den Caesaren Platz machen, die ihrerseits neue Caesaren als präsumptive Nachfolger ernennen sollten.

Ferner verfügte Diokletian eine Neueinteilung der Provinzen, wovon mehrere in größere Verwaltungseinheiten, sog. Diözesen geführt von einem Vicar, zusammengefasst wurden. Die Zahl der Truppen wurde erhöht und eine Reservearmee im Inneren des Reiches aufgestellt, die, wo notwendig, die Grenztruppen verstärken sollte. Andere Reformen Diokletians betrafen die Wirtschaft des Reiches, wobei seiner Einführung von Höchstpreisen für Waren zur Bekämpfung der galoppierenden Inflation ein Misserfolg beschieden sein sollte.

305 dankten Diokletian, dieser auch aus Gesundheitsgründen, und sein Ko-Augustus Maximianus ab, im Westen wurden Constantius Chlorus, im Osten Galerius zu neuen Augusti. Als Constantius Chlorus 306 starb, riefen Soldaten seinen Sohn Konstantin zum Kaiser aus. In Rom usurpierte Maxentius, der Sohn des abgedankten Augustus Maximianus, die Herrscherwürde.

Diokletians Abschied ins Privatleben

Galerius erhielt die beiden ihm ergebenen Severus und Maximinus Daia zu Caesaren, bei Erhalt der Nachricht vom Tod des Constantius Chlorus machte Galerius Severus zum Augustus, Konstantin wurde diesem als Caesar unterstellt. Diokletian selbst zog sich nach seiner Abdankung nach Salonae (das heutige dalmatinische Split) ins Privatleben zurück, wo er einen gewaltigen Palast erbauen hatte lassen.

Die Thronwirren nach seiner Abdankung veranlassten Diokletian, der den Zusammenbruch seines Tetrachie-Systems erleben musste, nach Carnuntum eine Kaiserkonferenz einzuberufen, um die Streitigkeiten zwischen den imperialen Nachfolgern beizulegen und die Tetrarchie wiederzubeleben. Entschieden lehnte Diokletian es ab, erneut auf den Kaiserthron zurückzukehren. Man einigte sich wie folgt: Licinius wurde - als Nachfolger des inzwischen ermordeten Severus - Augustus im Westen, mit Konstantin als Caesar. Galerius blieb Augustus im Osten, sein Caesar wurde Maximinus Daia. Vermutlich aus Anlass der Kaiserkonferenz war in Carnuntum ein Denkmal errichtet worden, wovon heute noch das Heidentor als Überrest erhalten ist.

Wichtige, von Ehrgeiz besessene Männer waren in Carnuntum nicht anwesend gewesen. Konstantin und Maximinus Daia forderten den Augustustitel für sich. Der abgedankte Maximianus, dessen Tochter Fausta mit Konstantin vermählt war, versuchte, diese gegen ihren Mann aufzuwiegeln und stiftete die Truppen seines Schwiegersohnes zur Revolte an. Maximianus wurde gefangengenommen und hingerichtet.

Konstantins Stunde

Jetzt sah Konstantin seine Stunde gekommen. Er nannte Maxentius in Rom einen Tyrannen, während dieser Konstantin vorwarf, seinen Vater Maximianus ermordet zu haben. Konstantin hob Truppen in Germanien, Gallien und Britannien aus und zog mit diesen über die Alpen, Maxentius saß mit einer viel größeren Armee in Rom und beschloss zunächst, sich in der Stadt zu verschanzen.

Rom bereitete für 313 ein großes Jubiläumsfest vor, die Stadt, die schon unter Diokletian ihre Bedeutung als Hauptstadt des Imperium Romanum verloren hatte, wollte wieder Mittelpunkt der Welt werden. Dazu bedurfte es eines siegreichen Kaisers mit einem klingenden Namen. Maxentius hatte eine Tiberbrücke abtragen lassen, setzte aber über eine Schiffsbrücke mit seinen Truppen auf das nördliche Tiberufer über, um Konstantin entgegentreten zu können.

Vision von Chi und Rho

Konstantin hatte eine Vision gehabt: Sonne und Kreuz am Himmel zu einem Zeichen vereint, im Traum soll er aufgefordert worden sein, dieses Zeichen, die griechischen Buchstaben Chi und Rho vereinigt, das Monogramm des Namens Christi, auf die Schilde seiner Soldaten anzubringen. "In hoc signo vinces" - In diesem Zeichen wirst du siegen, hieß es laut der "Vita Constantini" des Eusebius.

Am 28. Oktober 312 siegte Konstantin bei der Milvischen Brücke nördlich von Rom über Maxentius, der auf der Flucht im Tiber ertrank. An den Sieg Konstantins, der einen Tag später im Triumph über die Via Flaminia in Rom einzog, erinnert heute noch der 315 fertiggestellte Konstantinsbogen nahe dem Kolosseum in Rom. Die Alleinherrschaft im Römischen Weltreich errang Konstantin, mit dessen Mailänder Edikt von 313 auch die Christenverfolgungen im Reich ein Ende gefunden hatten, erst nach der Überwindung des Licinius im Jahr 324.

=> Stichwort: Carnuntum - das "österreichische Pompeji"


Carnuntum - das "österreichische Pompeji"

Carnuntum, im Bereich der heutigen niederösterreichischen Orte Petronell und Deutsch Altenburg gelegen, war die bedeutendste römische Siedlung auf österreichischem Boden. Übernommen wurde sein Name von einer vorrömischen Siedlung. Die Stadt wird in den Texten zahlreicher römischer Schriftsteller und Biografen erwähnt.

Die ältesten archäologischen Zeugnisse aus dem Bereich des Legionslagers stammen aus der Mitte des ersten nachchristlichen Jhdts. Die Zivilstadt Carnuntum wurde unter Kaiser Trajan (98-117) Provinzhauptstadt von Pannonia Superior und Sitz des Statthalters. Von Kaiser Hadrian (117-138) wurde sie zum Municipium Aelium Carnuntum erhoben, von Kaiser Septimius Severus (193 - 211), der hier zum Imperator ausgerufen wurde, in den Rang einer Colonia erhoben. Sie war Sitz einer Legion (zunächst der 15., später der 14.) und auch einer Donauflotte.

Schwere Schäden nach Erdbeben 350

Kaiser Marcus Aurelius (161-180) leitete von hier ab 171 seine Feldzüge gegen die Markomannen und Quaden, einen Teil seiner berühmten "Selbstbetrachtungen" hat er hier verfasst. 308 fand hier eine Kaiserkonferenz statt, um den Thronstreitigkeiten nach der Abdankung von Kaiser Diokletian ein Ende zu setzen. 350 richtete ein Erdbeben schwere Schäden an. Unter Kaiser Valentinian I. (364-375) war Carnuntum Operationsbasis gegen Quaden und Sarmaten, dann erfolgte sein Niedergang.

Zwischen den Orten Petronell und Deutsch Altenburg lag das Legionslager mit eigenem Forum, Thermen und einem Amphitheater für etwa 8.000 Personen. Hier lag auch eine Tempelbezirk für orientalische Gottheiten. Markante Bauten der ehemaligen Zivilstadt (auf dem Boden und unmittelbar westlich von Petronell) waren die sogenannte Palastruine, eine großen Thermenanlage, und ein 13.000 Personen fassendes Amphitheater. Auf dem Pfaffenberg, einem Ausläufer des Hundsheimer Berges, befand sich ein Tempelbezirk für den römischen Staatskult. In Petronell befindet sich ein Archäologischer Park mit zum Teil rekonstruierten Gebäuden, zahlreiche Funde aus Carnuntum sind im Museum Carnuntinum in Deutsch Altenburg zu bewundern. (APA/red)

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    Ein virtueller Rekonstruktionsversuch des Forums von Carnuntum, erstellt auf der Grundlage der Daten einer Geo-Radarmessung.

  • Luftaufnahme der Grundmauern der Thermenanlage von Carnuntum - auch große Palastruine genannt.
    foto: standard/newald

    Luftaufnahme der Grundmauern der Thermenanlage von Carnuntum - auch große Palastruine genannt.

  • Luftaufnahme des Amphitheatrums II in Carnuntum.
    foto: standard/newald

    Luftaufnahme des Amphitheatrums II in Carnuntum.

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