Frauen verdienen noch immer um ein Drittel weniger als Männer

6. November 2008, 13:06
144 Postings

Einkommensschere klafft auch 2007 - Gründe liegen in Berufswahl, aber nach wie vor auch in schlechterer Bezahlung für gleiche Arbeit

Wien - Die Einkommensschere hat sich auch 2007 nicht verringert: "Frauen verdienen noch immer um ein Drittel weniger als Männer", kritisierte die Vizepräsidentin der Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ), Brigitte Adler, am Donnerstag. Die Gründe dafür liegen einerseits in der Berufswahl, andererseits arbeiteten Frauen vorwiegend Teilzeit.

Einkommensanalyse: Eklatanter Unterschied

Das monatliche Brutto-Medianeinkommen (= Jahreseinkommen inklusive Sonderzahlungen geteilt durch 14) der Österreicherinnen machte im Vorjahr 1.420 Euro aus. Jenes der Männer lag laut AKNÖ bei 2.120 Euro und somit über dem österreichischen Niveau von 1.811 Euro.

Im Jahr 2007 betrug das Medianeinkommen der Frauen also 66,2 Prozent der entsprechenden Männereinkommen. Dieser Wert sei zwar durch den tendenziell viel höheren Anteil der Teilzeitbeschäftigung bei Frauen (in Niederösterreich bei 48,7 Prozent) etwas verzerrt, "aber dennoch sollte berücksichtigt werden, dass die höchsten Fraueneinkommen deutlich niedriger sind als die der Männer", heißt es in der AK-Analyse: Beim neunten Dezil der Einkommenspyramide (= 10 Prozent verdienen mehr, 90 Prozent verdienen weniger als diesen Wert - Teilzeitbeschäftigung spielt daher keine Rolle) betrugen die Einkommen der Frauen 71,5 Prozent der Männereinkommen.

Dieser "eklatante" Unterschied bei den geschlechtsspezifischen Einkommen sei tendenziell auf geringere Karrierechancen und Weiterbildungsmöglichkeiten für Frauen zurückzuführen, deren berufliche Perspektiven sich z.B. durch Kindererziehungsoder Pflegezeiten verschlechtern, heißt es im Bericht der AK.

Wienerinnen verdienen am besten

Das Bruttomedianeinkommen der Frauen in Niederösterreich betrug im Jahr 2007 1.344 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Im Bundesländervergleich stieg das Medianeinkommen der Frauen in Niederösterreich im Vergleich zu 2006 zwar an, trotzdem verdienten Frauen, die in Wien ihren Arbeitsplatz hatten, 2007 mit 1.629 Euro brutto im Monat am besten.

Frauen verhandeln über Gehalt "mit anderem Bewusstsein"

Einen Grund für die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern sieht die AKNÖ-Wirtschaftsexpertin Claudia Tschernutter auch in folgendem Punkt: Frauen würden mit einem anderen Bewusstsein als Männer über ihr Gehalt verhandeln. "Fakt ist, dass selbst die bestverdienenden 10 Prozent der Frauen noch immer 30 Prozent weniger als die bestverdienenden 10 Prozent der Männer verdienen." (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar
    Foto: APA/dpa/Roland Weihrauch

    Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern liegen nicht nur an den gewählten Berufen - wie die drei Klassiker Einzelhandels-, Bürokauffrau und Friseurin -, sondern auch daran, dass weibliche Arbeitnehmer schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen.

Share if you care.