Rubinräuber in Villach verhaftet: Einzigartiger Stein sichergestellt

6. November 2008, 12:02
2 Postings

"Prince of Burma" wurde deutschem Großhändler in Mailand geraubt - Opfer wurde bei Überfall im August schwer verletzt

Wien/Villach - Drei mutmaßliche Rubin-Täter wurden in einem Hotel in Villach verhaftet. Im August wurde in Mailand ein deutscher Juwelenhändler überfallen und verletzt. Die Räuber erbeuteten einen weltweit einzigartigen Roh-Rubin. Der wertvolle Stein genannt "Prince of Burma" wurde in Villach sichergestellt. Der Wert des Steins wird auf etwa 3,2 Millionen Euro geschätzt.

Neben dem Roh-Rubin stellten die Ermittler rund 100 weitere Edelsteine sicher. Die Smaragde und Rubine stammen anscheinend ebenfalls vom Überfall auf den Händler aus Idar-Oberstein, einem Zentrum des europäischen Edelstein-Handels.

Laut Bundeskriminalamt werden die Steine derzeit von einem Experten geprüft, der auch deren Wert beziffern soll. Vorläufig gehen die Ermittler davon aus, dass der Gesamtwert der Beute rund vier Millionen Euro beträgt, wie Oberst Gerard Joszt vom Bundeskriminalamt in Wien erläuterte.

Geschäft von Wiener Internet-Cafe angebahnt

Der Überfall auf den Geschäftsmann wurde im August verübt, als sich der 45-Jährige bei einer Messe in Mailand aufhielt. Die Täter hatten sich ihm gegenüber als Kaufinteressenten ausgegeben. Das vermeintliche Geschäft war von einem Wiener Internet-Cafe aus angebahnt worden. In Mailand wurde der deutschen Händler dann beim Verlassen des Messegeländes von einem Auto überfahren. Die Täter raubten seinen Koffer mit Edelsteinen. Der Deutsche erlitt unter anderem Serienrippenbrüche.

Ermittlungen in Idar-Oberstein brachten zutage, dass dem Coup Verhandlungen zwischen dem Händler und angeblichen Kaufinteressenten vorangegangen waren, bei dem ein Treffen in Mailand vereinbart worden war. Über diese Spur wurde eine 39-jährige gebürtige Serbin aus Wien ausgeforscht, der sich die Ermittler dann ihrerseits als Kaufinteressenten präsentierten.

Durchreise in Kärntnen

Am Dienstagnachmittag klickten schließlich die Handschellen: Die Frau als Hauptverdächtige und zwei Männer im Alter von 21 und 40 Jahren wurden in einem Villacher Hotel verhaftet. Das Trio hatte offenbar auf der Durchreise in der Kärntner Stadt Station gemacht. Die Verhaftungen wurden von Angehörigen der Sondereinheit Cobra durchgeführt. "Es hat dabei keinerlei Aufsehen gegeben", versicherte Joszt.

Die drei Verdächtigen gehören laut dem Polizei-Oberst einer teilweise in Wien ansässigen weit verzweigten Gruppierung an, gegen die seit Jahren wegen sogenannter Rip-Deals ermittelt wird. Es gab mehrfach Festnahmen. Bei dieser Form des Raubes werden Opfer unter dem Vorwand günstiger Geschäftsabschlüsse zu Treffen - häufig Mailand - gelockt und beraubt oder durch Trickdiebstahl um Bargeld erleichtert. Dabei machten sich die Täter zumindest fallweise den Umstand zunutze, dass es sich bei der Beute um Schwarzgeld handelte und die Opfer den Weg zur Polizei scheuten.

Auch die nun verhaftete Frau sei bereits polizeibekannt gewesen, sagte Joszt. Bei ihr wurden im Rahmen einer Hausdurchsuchung zahlreiche Unterlagen sichergestellt. "Wir gehen davon aus, auf dieser Basis eine Reihe weiterer Straftaten klären zu können", sagte der Oberst. (APA)

 

 

Share if you care.