Jugendliche & Alkohol: "Die wirklich was trinken, trinken Tequila"

5. November 2008, 18:10
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Studie: Billig-Angebote ziehen bei allen - "Vorglühen" im privaten Bereich bleibt der Mittel- bis Oberschicht vorbehalten - Traditionelle Geschlechterrollen verlieren ab 16 an Relevanz

Wien - Der erste Rausch? "Das war zu meinem 16. Geburtstag ... da ist es dahin gegangen. Ja, bestellen wir noch eine Runde, bestellen wir noch eine Runde. Und da ... ist es dann halt passiert." Das Zitat stammt aus einer vom Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung publizierten Studie über jugendliche Alkoholszenen, die am Mittwoch in Wien präsentiert wurde.

Bei der Untersuchung haben die Autoren Irmgard Eisenbach-Stangl, Alexander Bernardis, Kurt Fellöcker, Judith Haberhauer-Stidl, Gabriele Schmied 40 Jugendliche aus Wien und Niederösterreich nach ihren Trinkgewohnheiten befragt, Gruppendiskussionen veranstaltet, rund 100 Schlüsselpersonen (etwa von der Exekutive) interviewt sowie rund 70 jugendliche Alkoholszenen beobachtet.

Jugendliche trinken heute öffentlicher

Die Auswertung des zusammengetragenen Materials zeigt: Jugendliche trinken heute häufiger in der Öffentlichkeit. "Wobei das Teil eines allgemeinen Trends ist, man denke zum Beispiel ans Telefonieren", sagt Eisenbach-Stangl.

Problemgruppen unerreichbar

Jugendliche konsumieren dabei verschiedene Getränke - vom Bier bis zum Tequila sowie Alkopops. Vor allem Mitglieder sozialer Unterschichten trinken auf der Straße, im Park oder am Parkplatz und dann überwiegend härtere Getränke. "Die wirklich was trinken, trinken Tequila", sagte etwa einer der Befragten - wobei die Autoren darauf hinwiesen, dass sie keine scharfe Trennlinie zwischen sozialen Milieus ziehen konnten. "Und die wirklichen Problemgruppen haben wir nicht erreicht", gestand eine der Autorinnen ein.

"Vorglühen"

In Discotheken, Cafés und bei Veranstaltungen treffen diverse soziale Gruppen aufeinander. Billig-Angebote ziehen bei ihnen allen. "Vorglühen" im privaten Bereich oder im Hotel auf Maturareise anzustoßen, bleibt der Mittel- bis Oberschicht vorbehalten.

Unterschiede von Mädchen und Burschen

Auch zwischen den Trinkgewohnheiten von Mädchen und Burschen bestehen Unterschiede. Sie werden einander dabei zwar immer ähnlicher, junge Männer trinken insgesamt aber mehr und Stärkeres. Viel zu vertragen soll ihre Männlichkeit unter Beweis stellen. Dadurch stehen Buben beim Trinken im Zentrum, während Mädchen sich eher am Rand der Szenen aufhalten. Sie fürchten oft, sich zu blamieren oder zu sexuellen Handlungen gedrängt zu werden. Die traditionellen Geschlechterrollen verlieren etwa im Alter von 16 Jahren an Relevanz.

Die Studienautoren haben auch die vorhandenen Präventionsprojekte untersucht. Ihr Fazit: Diese seien zwar vielfältig, aber nicht ausreichend vernetzt, und es mangle an Nachaltigkeit. (Gudrun Springer/ DER STANDARD Printausgabe 6.11.2008)

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    Jugendliche konsumieren verschiedene Getränke - vom Bier bis zum Tequila sowie Alkopops. Die Autoren konnten aber keine scharfe Trennlinie zwischen sozialen Milieus ziehen

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