Opiate bleiben größtes Problem

6. November 2008, 11:35
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Mitschuld ist die dramatisch gestiegene Opiumproduktion in Afghanistan

Brüssel/Lissabon  - Opiate  bleiben das größte Teilproblem der Suchtgiftproblematik. Das ist die Hauptaussage des neuesten Jahresberichts der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD/Lissabon), der am Donnerstag in Brüssel präsentiert wurde. Mitschuld daran ist die in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegene Produktion an Opium in Afghanistan - der Grundstoff für Heroin.

Schätzungen der EBDD zufolge leben in der EU und Norwegen zwischen 1,3 und 1,7 Millionen problematische Opioidkonsumenten, wobei Heroin für den Löwenanteil der drogenbedingten Gesundheits- und gesellschaftlichen Kosten verantwortlich ist. Entgegen einer in den vergangenen Jahren publizierten Einschätzung der EBDD, wonach sich die "Heroinsituation langsam verbessern" würde, deuten die aktuellen Daten zwar auf eine sich stabilisierende, aber nicht auf eine weiterhin abnehmende Entwicklung hin. Aufgrund von Rekordzahlen bei der Opiumproduktion in Afghanistan im Jahr 2007 wächst bei der Beobachtungsstelle die Besorgnis um einen potenziellen Domino-Effekt auf das Heroinproblem in Europa.

7.000 bis 8.000 Drogentote im Jahr

In den meisten EU Ländern stehen zwischen 50 und 80 Prozent aller Behandlungsnachfragen in Zusammenhang mit dem Konsum von Opioiden. Jedes Jahr werden in Europa mindestens 7.000 bis 8.000 drogeninduzierte Todesfälle verzeichnet, wobei Überdosierung die häufigste Todesursache bei jungen Menschen in Europa ist. Rund 80 Prozent aller tödlichen Überdosierungen sind auf den Konsum von Opioiden zurückzuführen. Die meisten Mitgliedstaaten meldeten eine Zunahme der drogenbedingten Todesfälle. Hier hat sich aber jüngst in Österreich eine Umkehr der Entwicklung eingestellt (Österreichischer Drogenbericht 2008 mit Daten aus 2007). Auch das Durchschnittsalter der Drogentoten ist in Österreich jüngst angestiegen, was auf weniger "Nachwuchs" unter den Opiatabhängigen mit problematischem Suchtgiftkonsum hindeuten würde.

"Indikatoren für den Opioidkonsum deuten auf mögliche besorgniserregende Entwicklungen hin", so die EBDD. Aus dem Bericht geht beispielsweise hervor, dass die Anzahl der Sicherstellungen von Heroin im Zeitraum 2003 bis 2006 um zehn Prozent gestiegen ist. In der Türkei, einem wichtigem Transitland, hat sich die Menge des sichergestellten Heroins in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Insgesamt wurden 2006 in Europa schätzungsweise 19,4 Tonnen Heroin sichergestellt.

Wachsendes Problem Fentanyl

Besonderes Augenmerk liegt in diesem Jahr auf den vermehrten Meldungen von Problemen in Verbindung mit synthetischen Opioiden, die sonst in der Medizin als Schmerzmittel Verwendung finden. In Lettland und Estland gibt es beispielsweise Anzeichen für ein wachsendes Problem durch die Verfügbarkeit von 3-Methylfentanyl (Fentanyl). Es scheint sich um Mittel aus illegaler Produktion zu handeln. Bedingt durch die hohe Wirksamkeit dieser Droge - Fentanyl ist bedeutend potenter als Heroin - ist der Konsum besonders gefährlich. Deutlich wird dies in über 70 tödlichen Vergiftungen im Zusammenhang mit Fentanyl, die 2006 in Estland gemeldet wurden.

Untersuchungen haben ergeben, dass die Gefahr einer Überdosierung erheblich sinkt, wenn Heroin-Konsumenten mit Drogen wie Methadon oder Buprenorphin substituiert werden. Substitutionsbehandlungen für Opioidkonsumenten sind nun in allen EU-Mitgliedstaaten, in Kroatien und Norwegen verfügbar und werden jährlich von rund 600.000 Personen genutzt. (APA)

 

 

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