"c't": Ein Phänomen wird 25 Jahre alt

6. November 2008, 11:17
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Mit dem langsamen Siegeszug des PCs schrieb auch eine Fachzeitschrift aus Hannover ihre ungewöhnliche Erfolgsgeschichte

Ein Personal Computer in jedem Haushalt - das lag damals noch in weiter Ferne. Doch die Möglichkeiten der Computertechnik beschäftigten hierzulande auch vor 25 Jahren schon viele Elektronik-Begeisterte und Hobbybastler. Mit dem langsamen Siegeszug des PCs schrieb auch eine Fachzeitschrift aus Hannover ihre ungewöhnliche Erfolgsgeschichte. Im November 1983 ging mit zunächst gerade einmal vier Journalisten die erste Ausgabe der "c't" an den Start. Bis heute gilt die "Fachzeitschrift für Computer-Technik" als das einflussreichste Blatt und selbst unter Kollegen der Konkurrenz als die "Bibel" der Branche.

Nicht jede Mode

Inzwischen füllen 78 Fachredakteure mit ihrem Know-how alle 14 Tage das im Schnitt 250 Seiten starke Heft und den täglichen Newsticker heise.de. Doch trotz des immensen Umfangs gibt es in der "c't" keine Schnellschüsse. Was nicht auf Herz und Nieren von den Profis in den Testlabors im Haus geprüft wurde, kommt nicht ins Heft. Die "c't" wirbt nicht mit Gratissoftware auf beigelegten CDs und gibt den Lesern keine Kaufentscheidung an die Hand. Schließlich ist man seit 25 Jahren gut damit gefahren, nicht jede Mode mitzumachen und stattdessen schlicht auf fachkundige Berichterstattung zu setzen.

"Da wollen wir auch den Spezialisten erzählen, was der Nachbar macht."

Dass viele Artikel im Heft mit akribisch beschriebenen technischen Details die Fachkenntnis vieler der rund 350 000 Leser schier überbeanspruchen könnten, stört die Macher nicht. "Es muss ja heute nicht mehr alles gegessen werden, was auf dem Tisch steht", ist die Devise von Christian Persson, der zusammen mit dem Ingenieur und Science-Fiction-Spezialist Detlef Grell nach 25 Jahren wohl zu den dienstältesten Chefredakteuren des Landes zählt. "Die "c't" will ihrem Leser auch Fragen beantworten, die er noch nicht gestellt hat», sagt Persson. Das Blatt habe eine sehr heterogene Leserschaft. "Da wollen wir auch den Spezialisten erzählen, was der Nachbar macht."

Dennoch habe es auch schon mal erboste Leser gegeben, erzählt Persson schmunzelnd. Ein Leser habe zum Beispiel einmal sein langjähriges Abo gekündigt, weil er mit dem Lesen des immer dickeren Heftes einfach nicht mehr nachgekommen sei. Nachdem das damals noch monatlich erschienene Heft immer häufiger den Umfang des Telefonbuchs einer Kleinstadt angenommen hatte, wechselte der Verlag auf 14- tägiges Erscheinen. Insgesamt hat sich das Konzept des Heftes über die Jahrzehnt jedoch ausgezahlt. Die Leserschaft, darunter zahlreiche Ingenieure und Geschäftsführer, gelten auch heute noch, wo den Zeitschriftenverlagen reihenweise die Werbeeinnahmen wegbrechen, als höchst attraktiv. "Im Anzeigenmarkt sind wir der King", sagt Persson.

Der Hauptumsatzbringer

In all den Jahren hatte die "c't"stets die Rückendeckung des Verlags, der seinen Umsatz hauptsächlich mit Telefonbüchern machte. "Der Verlag hat uns machen lassen, bis wir uns beweisen konnten", sagt Persson. "Und das hat schon einige Zeit gedauert." Und nach einigen Jahren habe es dann auch schon mal Zeiten gegeben, in der die "c't" zum Hauptumsatzbringer des Heise Verlags wurde.

"SoftRAM"

In den zurückliegenden 25 Jahren schwamm die "c't" immer mal wieder komplett gegen den Strom - und stets mit Erfolg. An eine Geschichte aus dem Jahr 1995 erinnert sich Persson besonders gern. Damals waren vor allem wegen des speicherhungrigen Microsoft- Betriebssystems Windows 95 die Preise für Arbeitsspeicher (RAM) explodiert. Mit einer neuen Software "SoftRAM" sollten Nutzer ihren verfügbaren Speicher durch Komprimierung verdoppeln können. "Die Software wurde damals von der gesamten deutschen Computerpresse bejubelt», erinnert sich Persson. "c't"-Redakteure dagegen entdeckten, dass die Software komplett wirkungslos war.

Auch nach einem Gerichtsstreit ließ sich die Mannschaft der c't nicht einschüchtern. Der ursprüngliche Artikel durfte zwar nicht mehr gedruckt werden, doch die Ingenieure legten nach. Sie zerlegten die "Placebo-Software" akribisch in ihre Bestandteile und legten die Beweise in einem neuen Artikel detailliert offen. Die Aktie der amerikanischen Syncronys AG fiel daraufhin ins Bodenlose, die Software verschwand vom Markt - schließlich auch das Unternehmen. (APA/dpa)

 

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