Cannabis-Konsum in Europa zurückgegangen

6. November 2008, 11:00
132 Postings

Rückläufiger Konsum könnte auf Tabak-Restriktionen zurückzuführen sein - In Österreich ist der Konsum gestiegen

Brüssel - In Europa gibt es Anzeichen dafür, dass der Cannabis-Konsum zurückgeht. Auslöser dürften die strikten Anti-Tabak-Gesetze sein. "Weniger Tabakrauch, weniger Cannabis", stellten Fachleute der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) fest, die den Europäischen Drogenberichtes in Brüssel präsentierten. In Österreich ist der Konsum jedoch gestiegen.

Weniger Cannabis gemischt mit Tabak

"Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür. Aber in Europa wird traditionell Cannabis mit Tabak zum Rauchen gemischt. Das macht 80 bis 90 Prozent des Cannabis-Konsums aus", sagte Roland Simon von der EMCDDA.

Großbritannien: Veränderte Haltung

Einige Berichterstatter (vor allem aus den EU-Mitgliedsländern, Anm.) haben darauf hingewiesen, dass die rückläufige Popularität des Cannabis-Konsums unter anderem auf eine veränderte Haltung gegenüber dem Zigarettenkonsum zurückzuführen sein könnte. In dem Report selbst ist zu lesen: "Jüngste Daten aus Erhebungen unter Schülern und Erwachsenen deuten darauf hin, dass sich der Cannabiskonsum insgesamt in einigen Ländern stabilisiert hat oder zurückgeht." Dies hätte sich zum Beispiel auch in Großbritannien mit traditionell hohen Cannabis-Konsumraten unter den 16- bis 24-Jährigen manifestiert.

Cannabis-Konsum in Österreich gestiegen

In Österreich ist keine Entwicklung wie in Großbritannien nicht zu beobachten gewesen. Die Rate des Cannabis-Konsums ist eher gestiegen. Bei der Produktion von Cannabis wird die Situation durch die "Heim-Herstellung" diffiziler.  "Vor zehn Jahren war die Kultivierung von Cannabis zu Hause eine 'romantische' Geschichte. Heute ist sie kein Randproblem mehr. Diese Heim-Produktion ist schwieriger zu entdecken und zu verhindern. Der Gehalt an dem Wirkstoff THC ist zum Teil viel größer geworden, erklärte Roland Simon von der EMCDDA.

Vier Millionen benutzen Cannabis täglich

In Europa haben derzeit rund 22 Prozent der Erwachsenen (71 Mio. Menschen) Erfahrung mit Cannabis. Zwölf Millionen Personen benutzen Cannabis mindestens einmal monatlich, vier Millionen täglich.

Die in Europa generell strikter gewordene Anti-Rauch-Gesetzgebung führt in Sachen Haschisch und Marihuana zu skurrilen Situationen. In den Niederlanden etwa darf man in den Coffee-Shops keinen Tabak rauchen. Wenn die Leute aber das dort gekaufte Cannabis mit Tabak mischen und vor der Tür des Lokals rauchen, regen sich die Anrainer mittlerweile auf.

Fentanyl: Zunahme tödlicher Vergiftungen
 
Wachsam sollten die Gesundheitsbehörden in Europa bezüglich des Konsums von synthetischen Opiaten (auch: Opioide) durch Abhängige sein. Der Europäische Drogenbericht des Jahres 2008: In den letzten Jahren wurde in Estland bei postmortalen gerichtsmedizinischen toxikologischen Analysen eine Besorgniserregende epidemieartige Zunahme tödlicher Vergiftungen mit 3-Methylfentanyl festgestellt, mit 46 tödlichen Vergiftungen im Jahr 2005 und 71 Todesfällen im Jahr 2006. Darüber hinaus weisen vorläufige Daten aus Estland drauf hin, dass im Jahr 2004: 85 Todesfälle im Zusammenhang mit dieser Substanz standen.

Starkes Schmerzmittel Fentanyl

Fentanyl ist ein in der Medizin seit langem bekanntes hochpotentes Opiat, das in der Therapie schwerer chronischer Schmerzen oft eingesetzt wird und den Patienten das Leben erheblich erleichtert. Paul Griffiths von der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle: "Diese und chemisch ähnliche Substanzen sind 80- bis 10.000 Mal wirksamer als Morphium. Wenn hier Abhängige das Fentanyl mit Heroin mischen und dabei oder bei der Verwendung der Substanz allein die Dosis nicht 'richtig' hinbekommen, ist das leicht tödlich durch eine Überdosis."

Fentanyproduktion in Geheimlabors

Das Fentanyl für die Drogenszene wird mittlerweile in geheimen Labors produziert. Der Experte "Die Herstellung ist zwar kompliziert, gelingt aber in diesen Labors bereits. Aufgetaucht ist Fentanyl (in der Suchtgiftszene, Anm.) auch in den Ländern wie den Niederlanden und Österreich. Es wird geraucht, gegessen, injiziert - auch mit Heroin gemischt." Kleinere Mengen dürften aus der pharmazeutischen Produktion abgezweigt werden.

Das Problem gibt es regional  nicht nur in einigen Ländern Europas.  Die USA registrierten im Jahr 2006 eine 'Fentanyl-Epidemie'." Allein in der Region von Chicago starben zwischen 2005 und 2007 350 Menschen an einer Überdosis dieser hochpotenten Substanz. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gegen den europäischen Trend, ist in Österreich der Cannabis-Konsums gestiegen

Share if you care.