Weiblichkeitsbilder in der Erinnerung an das Dritte Reich

11. November 2008, 13:38
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Frauen im NS-Regime: Gedenkdienst und ÖH der Uni Wien laden zu wissenschaftlicher Tagung über Geschlecht und Erinnerung

Seit den 1980er Jahren widmet sich die Geschichtswissenschaft geschlechtsspezifischen Untersuchungen der Zeit des Nationalsozialismus. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse über die Geschlechterverhältnisse werden in der Öffentlichkeit jedoch kaum präsentiert, noch weniger diskutiert.

Der Verein Gedenkdienst und die HochschülerInnenschaft an der Universität Wien wollen das Gedenkjahr 2008 zum Anlass nehmen, um im Rahmen einer internationalen wissenschaftlichen Tagung der Öffentlichkeit einen Eindruck vom aktuellen Forschungsstand zu vermitteln und den Blick für geschlechterspezifische Disparitäten in der Erinnerungskultur zu schärfen.

Geschlechterstereotype im kollektiven Gedächtnis zum Nationalsozialismus

In einem ersten Teil der Tagung soll ein Blick darauf geworfen werden, welche Frauenbilder im Gedenken an den Holocaust und in der Erinnerung an das NS-Regime heute etabliert sind. Dabei sollen jene Unschärfen in der kollektiven Erinnerung ausgeleuchtet werden, die sich in den Diskursen über die Geschlechter seit 1945 manifestiert haben.

Frauenbilder in der "Volksgemeinschaft"

Der zweite Teil widmet sich Geschlechterkonstruktionen und Geschlechterrollen in der nationalsozialistischen Ideologie. Handlungsräume, die Frauen im NS-Regime zugewiesen waren, sollen aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht werden, um ein möglichst umfassendes Bild zu vermitteln.

Kontinuitäten und Brüche in den Frauenbildern nach 1945

In einer dritten Einheit soll auf Konzepte von Weiblichkeit direkt im Anschluss an den Krieg eingegangen und untersucht werden, welche Kontinuitäten und Brüche im Verhältnis zu den Vorstellungen der nationalsozialistischen Zeit ausgemacht werden können. Haben die festgelegten Geschlechterkonzepte des NS-Regimes das Ende des Regimes überdauert? Inwiefern können Veränderungen festgestellt werden? Haben sich diese Veränderungen, wenn vorhanden, auf die Deutung historischer Ereignisse in den ersten Jahren nach 1945 und auf die Verankerung von Geschlechterstereotypen im kollektiven Gedächtnis ausgewirkt?

Ziel der Tagung ist es, einen Ausblick auf die aktuelle Forschung zu geben und Perspektiven für eine Erinnerungskultur aufzuzeigen, welche das Verständnis von den Geschlechterkonzepten des Nationalsozialismus entsprechend den Ergebnissen der Forschung neu bewerten. (red)

Termin

Geschlecht und Erinnerung: Weiblichkeitsbilder in der Erinnerung an das Dritte Reich
Freitag, 21. November ab 18 Uhr im Hörsaal C1 am Uni-Campus, Altes AKH; Samstag, 22. November ab 9 Uhr in der Aula am Uni-Campus, Altes AKH

Wissenschaftliche Beratung: Johanna Gehmacher, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien

Links

Verein Gedenkdienst 

ÖH Uni Wien

 

  • Das Bild auf der Einladung zur Tagung zeigt das Mahnmal der Stadt Wien
am Zentralfriedhof, gewidmet "Den Opfern für ein
freies Österreich 1934-1945".
    Foto: Einladung/Gedenkdienst

    Das Bild auf der Einladung zur Tagung zeigt das Mahnmal der Stadt Wien am Zentralfriedhof, gewidmet "Den Opfern für ein freies Österreich 1934-1945".

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