Ganz neu: Kunst, Gender und Diskurs

6. November 2008, 10:48
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Ausstellung schwuler Kunst "The Third Sex" - Als wolle die omnipräsente (schwule) Wiener Party-Szene nun per se Kunst sein

Hans-Christian Haas' Anliegen war ehrenhaft: Er habe, erklärte der Galerist, "es satt" in einer Gesellschaft zu leben, in der Homophobie allgegenwärtig sei. Um gegenzusteuern öffne er daher seine Galerie in der Grünangergasse für eine Ausstellung schwuler Kunst. Sprachs - und bat Dienstagabend zur Vernissage von "The Third Sex": "Die Verkaufsausstellung beschäftigt sich mit der Frage, ob unsere geschlechtliche Orientierung auch den Blickwinkel der Kunst und des Künstlers verändert", hieß es in der Einladung. So weit, so fein - und nicht wirklich neu.

Vor Ort sah das dann aus, als wolle die omnipräsente (schwule) Wiener Party-Szene nun per se Kunst sein - und auch gleich den Kunst&Gender-Diskurs erfinden: Gery Keszler zeigte Löt-Arbeiten, Holger Thor (alias Miss Candy) fuhr im Rolls vor - und halbnackte Adonisse standen so dekorativ wie planlos zwischen Birgit Sarata und einem inhomogenen Bilder- und Objekte- Mischmasch.

Macht nix, denn Wiens übliche Verdächtige waren öffentlich unter sich und erklärten, wie toll das sei. Dass "Third Sex" ein nicht unumstrittener Begriff ist, merkte keiner - schließlich war statt der Kultur- die Adabei-Presse gekommen. "Was man über das Thema wissen muss", erklärte die TV-Reporterin von Puls4, "steht eh auf Facebook." (DER STANDARD Printausgabe 6.11.2008)

 

  • Gery Keszler ist Life-Ball-Macher und Kunst-Löter
    foto: standard/rottenberg

    Gery Keszler ist Life-Ball-Macher und Kunst-Löter

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