Neue Ära im Golfsport

6. November 2008, 10:44
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Dubai übernimmt das traditionelle Masters von Spaniens Valderrama - Europa-Tour startet trotz Finanzkrise mit VAE-Millionen voll durch - Auftakt zum "Race to Dubai" in Shanghai

Wien - Mit dem "HSBC Champions" in Shanghai beginnt diese Woche - noch ohne den Österreicher Markus Brier - eine neue Ära im europäischen Profigolfsport. Unmittelbar bevor die Tennis-Profitour ATP ebenfalls und letztmals in Shanghai mit dem Masters-Cup ihr Saisonfinale bestreitet, startete die Europan-Golf-Tour am Donnerstag in China in das "Race to Dubai 2009".

Das traditionelle "Masters" im spanischen Valderrama ist seit vergangenem Sonntag Geschichte. Das Saisonabschlussturnier für die 60 Besten Golfer der European Tour geht für zumindest die nächsten fünf Jahre als "World Championship" in Dubai in Szene. Damit ergießt sich trotz globaler Finanzkrise ein Geldregen über die besten Spieler. Denn die WM, für die sich wie bisher die Top 60 der Preisgeld-Rangliste - nun aber unter dem Titel "Race to Dubai" - qualifizieren, ist mit dem Rekord-Preisgeld von zehn Millionen Dollar (7,8 Mio. Euro) dotiert. Zudem wird in Dubai ein ebenso großer Bonus-Pool unter den besten 15 der Saison aufgeteilt.

Möglich wurde der bis 2013 gesicherte und mit einer Option auf weitere fünf Jahre versehene Deal, dessen Konzept jenem der beiden großen Tennis-Profitouren ähnelt, durch die Partnerschaft der European Tour mit der in Dubai ansässigen Investmentgesellschaft Leisorcorp. Die European Tour hat angesichts des Petrodollar-Geldregens auch gleich ihr internationales Headquarter in die Boom-Metropole der Vereinigten Arabischen Emirate verlegt.

In der dank Erdöl reichen Golf-Region investieren vor allem Dubai und Abu Dhabi (VAE), Doha (Katar) und Bahrain seit Jahren intensiv in die Tourismus-Zukunft. Neben der Immobilien-Entwicklung fließen Millionen auch in Sport-Events wie Golf, Formel 1 und die Motorrad-WM.

Die Kennzahlen des "Race to Dubai" sind auch angesichts der aktuellen Finanzkrise bemerkenswert. Nach 53 Turnieren in 40 Ländern, darunter die Austrian GolfOpen vom 11.-14. Juni im Fontana GC, könnten bei der "WM" über 3,6 Mio. Dollar (2,8 Mio. Euro) auf einen Glücklichen warten. Auf den Turniersieger warten 1,6 Mio. Dollar (1,243 Mio. Euro). Sollte er gleichzeitig auch Topverdiener 2009 sein, kassiert er weitere zwei Mio. Dollar (1,55 Mio. Euro) aus dem Bonuspool.

Als Qualifikation für das Saisonfinale zählen wie schon bisher alle Europa- und WGC-Turniere sowie die Majors. Der Dubai-Sieger erhält zudem die Harry-Vardon-Trophy sowie eine fünfjährige Tour-Karte, der Race-Gesamtsieger gleich eine zehnjährige Spielberechtigung für die Europa-Tour.

Ob die zusätzlichen Millionen sowie mehr Punkte für die Weltrangliste auch mehr Topspieler aus den USA dazu bringen, künftig auch mehr in Europa zu spielen, muss sich erst weisen. Der Spanier Sergio Garcia, der auf beiden Touren spielt und beim hochkarätig besetzten Saisonstart in Shanghai US-Titelverteidiger Phil Mickelson als Nummer zwei der Welt ablösen kann, ist davon überzeugt. Ausgerechnet Mickelson, der nach Tag eins in Shanghai gleichauf mit Garcia bei 66 Schlägen hielt, hat seine diesbezüglichen Pläne aber bereits wieder revidiert.

Shanghai ohne Brier

Österreichs bester Golfprofi, Markus Brier, steigt erst ab 20. November in Hongkong ins "Race to Dubai 2009" ein und spielt davor in Singapur ein hoch dotiertes Turnier der Asien-Tour, für das er sich durch seinen Sieg bei den China Open 2007 qualifiziert hat. Der Magister der Betriebswirtschaft will 2009 mehr Events der immer wichtiger werdenden Asien-Tour spielen.

Für Brier könnte Asien so etwas wie ein zweites Standbein werden. Auch diese Tour wird immer bedeutender und bietet dadurch die Möglichkeit, sich für Großereignisse zu qualifizieren. Und der Wiener, der vergangenen Juli 40 Jahre alt geworden ist und in China einen seiner zwei Turniersiege gefeiert hat, will weiterhin bei möglichst vielen Majors am Start sein.

Nach Turniersiegen 2006 (Austrian Open) und 2007 (China Open) lief es 2008 freilich nicht ganz so erfolgreich für Brier, der sich mit zwei fünften Plätze als Saison-Highlights zufrieden geben musste. Seine Sonderstellung im österreichischen Profigolf unterstrich er aber am Saisonende wieder endrucksvoll, indem er sich sich mit einer persönlichen Rekordrunde von 62 Schlägen für das letzte Volvo-Masters qualifiziert und sich dann in Valderrama mit seinem bisher besten Masters-Ergebnis (13.) und 553.961 Euro zum dritten Mal in Folge in die Top 60 der Order of Merit spielte. (APA)

 

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    Phil Mickelson spielt in Shanghai den Titelvertediger.

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