Krisengipfel für Volkskundemuseum

6. November 2008, 09:57
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Das Dach hat Löcher, die Wasserrohre sind aus Blei, von den Wänden bröckelt der Verputz - Bezirksvertreter wollen bei Sanierung Stadt und Bund in die Pflicht nehmen

Wien - Das Dach hat Löcher, die Wasserrohre sind aus Blei, von den Wänden bröckelt der Verputz - das Palais Schönborn in der Josefstadt ist in einem erbärmlichen Zustand. Die Leitung des dort untergebrachten Museums für Volkskunde macht seit Jahren auf den desolaten Zustand des barocken Gartenpalais aus dem 18. Jahrhundert aufmerksam, bisher allerdings mit mäßigem Erfolg.

"Seit über zehn Jahren zieht sich die öffentliche Hand schrittweise aus der Förderung des Museums zurück und damit aus der kulturpolitischen Verantwortung", sagt Markus Trenker, grüner Bezirksrat und Vorsitzender der Kulturkommission Josefstadt. "Da muss jetzt endlich etwas geschehen."

Symbolischer Mietpreis

Das Museum wird von einem privaten Verein getragen und präsentiert neben der Dauerausstellung mit Gebrauchsgegenständen aus den letzten 300 Jahren auch immer wieder interessante Sonderschauen - zuletzt beschäftigte man sich mit der Geschichte von Gegenständen aus dem KZ Dachau, die ehemalige Häftlinge bis heute aufbewahren. Aktuell zeigt man eine Fotoausstellung zum Thema Gebetsräume auf Flughäfen. Eigentümerin des Gebäudes ist die Stadt Wien, für Personal und Subventionen ist allerdings der Bund zuständig. Der Verein bezahlt der Stadt einen symbolischen Mietpreis, im Gegenzug soll er sich um die Erhaltung des Palais kümmern. Und genau da liegt das Problem: Die 340.000 Euro, die das Unterrichtsministerium für das Museum jährlich locker macht, reichen gerade einmal für die Betriebskosten.

Renovierungen gehen sich damit nicht aus - und auch für die Ausstellungen muss der Verein zusätzlich Geld aufstellen. Jetzt startet der grün-regierte 8. Bezirk einen weiteren Versuch, den ehemaligen Prachtbau und das darin befindliche Museum zu retten: Die Josefstädter Bezirksvertretung beschloss einstimmig, am 1. Dezember einen "Gipfel über die Zukunft des Volkskundemuseums" zu veranstalten.

Mögliche Synergien

Neben hohen Beamten aus dem Unterrichtsministerium bittet man auch Wohnbaustadtrat Michael Ludwig sowie Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (beide SPÖ) zum Gespräch. "Nach jahrzehntelangen Versäumnissen sollen nun endlich die politischen Verantwortungen und eine gemeinsame Vorgehensweise geklärt werden", sagt Trenker. "Ziel muss die langfristige Absicherung des Standortes in der Laudongasse sein."

Krisengipfel

Dass das kleine Museum mit der bescheidenen Sammlung auf Dauer allein überleben kann, ist unwahrscheinlich - weshalb die Bezirkspolitiker im Hinblick auf mögliche künftige Kooperationen auch gleich den Direktor des Wien Museums Wolfgang Kos zum Krisengipfel bitten. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Völkerkundemuseum ist angedacht. "Vielleicht wäre es überhaupt sinnvoll, das Museum in den Verband der Bundesmuseen aufzunehmen", sagt Trenker.(Martina Stemmer /DER STANDARD Printausgabe 6.11.2008)

 

 

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