Firmenprojekte: Der Wiener Weg ins schnelle Ankara

6. November 2008, 09:52
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Wiener Unternehmen und Beamte sollen in der Heimat nicht versauern. Deswegen will die Stadtregierung ihr Können gewinnbringend exportieren

Ankara/Wien - Wenn dieser Tage Firmenvertreter aus Wien und Ankara in der türkischen Hauptstadt zusammentreffen, wird wohl mehr ausgetauscht als höfliche Worte. Die Delegation, die mit Vizebürgermeisterin Renate Brauner (SP) nach Ankara gereist ist, soll dort auch Projekte an Land ziehen, die sowohl den Unternehmen als auch der Stadt nutzen.

Müllverbrennungsanlage nach Wiener Vorbild

Firmen wie die Wien Energie oder Unternehmen der Wien Holding haben schon Erfahrungen mit internationalen Kooperationen. "Wir haben gut funktionierende Stadttechnologien", sagt Brauner. Und das Know-how will sie so gut wie möglich gewinnbringend exportieren. In Sofia beispielsweise soll eine Müllverbrennungsanlage nach Wiener Vorbild errichtet werden.

In Ankara ist das Tempo schneller

Doch das Zusammentreffen der Wirtschaftstreibenden ist nicht die erste Kooperation zwischen Wien und Ankara. Vor wenigen Wochen war Verkehrsstadtrat Rudi Schicker mit Mitarbeitern der MA 18 (Stadtplanung) und der Wiener Linien in Ankara, um sich mit den dortigen Verkehrsexperten bei einem Symposium auszutauschen. Ähnlichkeiten in der Verkehrsinfrastruktur haben die beiden Städte kaum, in Ankara ist das Tempo schneller:

Fünf Millionen Einwohner

Während der vergangenen 80 Jahre wuchs die Stadt in Zentralanatolien von nicht einmal 70.000 auf 4 Millionen Einwohner an. In wenigen Jahren sollen fünf Millionen Menschen in der Stadt leben. Doch in Sachen Öffis wollen sich die Ankaraner Anregungen holen. Das Fortbewegungsmittel Nummer eins ist das Auto. Autogerecht gestaltet sind auch die Straßen: breit, um schnell fahren zu können. Um den Verkehr fließend zu halten, wurden in Ankara viele Unter- und Überführungen gebaut. Diese Phase hatte Wien Ende der 50-er, Anfang der 60-er Jahre.

Viel Busverkehr

Genutzt haben sie nur kurzfristig, weswegen nun der öffentliche Verkehr ausgebaut werden soll. In den Stadtentwicklungsgebieten an den Rändern ist Platz für U-Bahnen eingeplant. Doch wegen der hügeligen Lage der Stadt könnte der Ausbau zu einer teuren und komplizierten Angelegenheit werden. "Wir haben viel Busverkehr", sagt Ömer Ulu, Generaldirektor der Verkehrsbetriebe in Ankara. Bald sollen auch erdgasbetriebene Busse angeschafft werden. "In Zeiten des Klimawandels führt kein Weg an einem attraktiven öffentlichen Verkehr vorbei", sagt Stadtrat Schicker. Von Geld und Gewinnen spricht noch niemand. Das Treffen der Verkehrs- und Wirtschaftsexperten soll kommendes Frühjahr Früchte tragen, wenn die türkische Delegation nach Wien kommt.

Wie Ankara ist auch Belgrad wegen der Öffnung zur EU ein attraktives Betätigungsfeld für Wiener Unternehmen. In der serbischen Hauptstadt will man sich als nächstes umschauen. (Marijana Miljkoviæ/ DER STANDARD Printausgabe 6.11.2008)

 

  • Ein Minarett in Ankara? Nein, die Müllverbrennungsanlage in Wien. In Zukunft soll es zu einem regen Austausch von Know-how der beiden Städte kommen
    foto: standard/newald

    Ein Minarett in Ankara? Nein, die Müllverbrennungsanlage in Wien. In Zukunft soll es zu einem regen Austausch von Know-how der beiden Städte kommen

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