Letzter Besuch bei Altbürgermeister Zilk

6. November 2008, 18:51
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Bis Freitagabend ist der Leichnam des Wiener Altbürgermeisters im Rathaus aufgebahrt - Rund 3000 Besucher trugen sich bisher ins Kondolenzbuch ein

Wien - Blumenkränze sind aufgereiht, Kerzen angezündet. Leises Gemurmel und sanfte Hintergrundmusik tönen durch die Volkshalle im Wiener Rathaus. Kurz vor zehn Uhr schwillt das Klicken der Kameras zu einem Rattern an.

Sechs Männer der Bestattung Wien tragen den Sarg des am 24. Oktober verstorbenen Altbürgermeisters Helmut Zilk über einen langen grauen Teppich in die Halle. Bis heute, Freitag, 18 Uhr kann dort jeder von dem ehemaligen Lehrer, Journalisten, Kulturstadtrat, Unterrichtsminister sowie Wiener Bürgermeister Abschied nehmen.

Blitzlichtgewitter

Der Sarg ist in eine Wien-Fahne gehüllt. Dahinter kommt Zilks Frau Dagmar Koller in den Saal. Im schwarzen Kostüm, um den Hals eine Kette mit großem silbernen Kreuz, tritt sie - gestützt von Bürgermeister Michael Häupl - ein. Auch Zilks Sohn Thomas und dessen Frau Geraldine sind gekommen. Koller wischt sich immer wieder die Tränen mit einem Taschentuch unter der getönten Brille weg. Zärtlich streicht sie über Zilks Foto, das vor dem Sarg aufgestellt ist und hängt einen Rosenkranz über den Rahmen. Auch am Sarg hält sie noch einmal inne. Als sie sich darauf stützt und ihr Gesicht in den Armen vergräbt, beginnt wieder ein Blitzlichtgewitter.

Dann spricht Dompfarrer Toni Faber zwei Gebete. Häupl trägt sich als Erster in eines der beiden Kondolenzbücher ein, danach folgen weitere Stadtpolitiker und Mitarbeiter des Magistrats.
Gegen 10.30 Uhr wird die Volkshalle ihrem Namen gerecht, die Türen öffnen sich für bereits wartende Menschen. Rund 3000 werden am Donnerstag noch Abschied nehmen. Sie schreiben ihre Namen in die Bücher, zünden Kerzen an und stellen sie vor dem Sarg auf den Boden. Manche vertiefen sich in das Gedicht auf der Rückseite des Gedenkbilletts: "Auf der anderen Seite des Weges" von Charles Péguy. "Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen. Ich bin ich. Ihr seid ihr", lauten die ersten Sätze.

"Er hat uns viel mitgegeben"

"Er war streng, aber sehr gerecht", erzählt Hannelore Proy-Zechmeister, die mit ihrer Freundin Christine Hanousek unter den ersten Trauergästen ist. Zilk war 1949 bis 1952 ihr Klassenvorstand. "Er hat uns sehr viel mitgegeben für das Leben", sagen die beiden 69-Jährigen.
Auch Adele Müllner vom Bundessozialamt hat Zilk mehrmals getroffen, kannte ihn „seit Jahrzehnten". Zilk habe mit seinen 81 Jahren "zwar ein schönes Alter erreicht, er ist aber trotzdem zu früh gestorben", sagt die 50-Jährige. Auch Wiener, die Zilk nie persönlich getroffen haben, zünden eine Kerze an, wie etwa die 63-jährige Christa Artner, die sagt: "Ich habe ihm sehr viel zu verdanken."

"Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit in der Politik"

Ein 19-jähriger Schüler meint: "Unter ihm war Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit in der Politik noch vorhanden." Er schlendert danach durch die Ausstellung mit Fotos und Zeitungsausschnitten über Zilks Leben, die in den Arkaden des Innenhofs aufgestellt wurde. Dort stehen auch Tische, auf denen manche Trauernde Blumensträuße und Plüschtiere abgelegt haben. Auf anderen Tischen liegen kostenlose Fackeln zur Mitnahme für das Begräbnis am kommenden Samstag bereit.

Auch im Internet gibt es die Möglichkeit zu kondolieren. Am Donnerstag hatten sich unter www.wien.gv.at/kondolenzbuch bereits mehr als 2000 Menschen eingetragen. (Gudrun Springer, DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2008)

  • Im Rathaus nehmen nicht nur Weggefährten vom Altbürgermeister
Abschied, auch viele Wiener, die Zilk nicht persönlich gekannt haben,
tragen sich ins Kondolenzbuch ein.
    foto: cremer

    Im Rathaus nehmen nicht nur Weggefährten vom Altbürgermeister Abschied, auch viele Wiener, die Zilk nicht persönlich gekannt haben, tragen sich ins Kondolenzbuch ein.

  • Helmut Zilks Ehefrau Dagmar Koller begleitete den Sarg zur Aufbahrung.
    foto: cremer

    Helmut Zilks Ehefrau Dagmar Koller begleitete den Sarg zur Aufbahrung.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Sie küsste das vor dem Sarg aufgestellte Bild von Helmut Zilk.

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