Berlin gegen stärkeres Engagement in Afghanistan und Irak

6. November 2008, 07:26
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Staatsminister Erler: "Obama kennt Deutschlands rote Linien" - Kanada will an Abzug aus Afghanistan festhalten

Berlin/Toronto - Die deutsche Bundesregierung hat dem neu gewählten US-Präsidenten Barack Obama wenig Hoffnung auf ein verstärktes deutsches Engagement in Afghanistan gemacht. "Die Antwort auf die Frage, ob wir mehr machen könnten, lautet: Wir machen bereits mehr als früher - und das ohne gezielte Aufforderung aus den USA", sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), der "Berliner Zeitung" (Donnerstagsausgabe).

Deutschland sei nicht nur der drittgrößte Truppensteller in Afghanistan, es habe auch seine finanziellen Zuwendungen für den zivilen Wiederaufbau im Lauf der Jahre von 80 Millionen Euro auf demnächst 170 Millionen Euro gesteigert.

"Obama kennt Deutschlands rote Linien"

Zurückhaltend äußerte sich Erler auch zu den erwarteten Wünschen Obamas nach stärkerer Beteiligung an der Stabilisierung des Irak. Auch Obama kenne Deutschlands "rote Linien", sagte der Staatsminister. "Das heißt: keine deutschen Truppen in den Irak." Wirtschaftliche und zivile Aufbauhilfe, wie sie bereits geleistet würden, seien davon ausgenommen.

Kanada will auch nach dem bevorstehenden Regierungswechsel in den USA an dem geplanten Abzug seiner Truppen aus Afghanistan festhalten. Außenminister Lawrence Cannon sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP, die kanadischen Truppen würden auch dann bis 2011 zurückgeholt, wenn Obama um eine Verlängerung bitten sollte.

Kanada hat 2.500 Soldaten in der afghanischen Provinz Kandahar stationiert, einer Hochburg der Aufstandsbewegung gegen die Regierung in Kabul und gegen die ausländische Truppenpräsenz. In Kämpfen mit den Rebellen und bei Anschlägen kamen bisher 97 kanadische Soldaten und ein Diplomat ums Leben.

Obama hat angekündigt, nach seinem Regierungsantritt 7.000 weitere US-Soldaten in Afghanistan stationieren. Nach Medienberichten will er auch die NATO-Staaten bitten, ihre Truppen dort zu verstärken. (APA/AFP/AP)

 

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