Ex-Clinton-Berater Rahm Emanuel wird Obamas Stabschef

6. November 2008, 21:38
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Axelrod wird möglicherweise Parteichef der Demokraten - Weitere Ernennungen bei heutiger Pressekonferenz erwartet - Treffen des alten und zukünftigen Präsidenten

Washington/Wien - Der designierte US-Präsident Barack Obama hält am Freitag in Chicago seine erste Pressekonferenz seit seinem überwältigenden Wahlsieg vom Dienstag ab. Laut Informationen von CNN sollen bei diesem Termin weitere Personalentscheidungen bekannt gegeben werden. Mit Interesse wird vor allem erwartet, wer zukünftig die Rolle des Sprechers des Weißen Hauses übernehmen wird.

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Barack Obamas Team hat vom Wahlkampf- auf den sogenannten Transition-Modus geschaltet. Seit seiner Rede in Chicago, mit der der kommende US-Präsident sein Amt annahm, wird offiziell an der Übernahme der Geschäfte im Weißen Haus gearbeitet. Die Operation führt John Podesta, ehemals Kabinettschef unter Präsident Bill Clinton. Mit dabei sind auch Obama-Beraterin Valerie Jarrett, Pete Rouse, Obamas Stabschef im Senat, und Susan Rice, seine außenpolitische Ratgeberin.

Eine erste, wichtige Personalie in diesem Prozess war schon am Donnerstag entschieden: Obama bot dem Kongressabgeordneten und früheren Clinton-Berater Rahm Emanuel den Job des Kabinettschefs im Weißen Haus an. Emanuel gilt in Washington als harter Hund, der mit allen Wassern gewaschen ist. Er zögerte ein wenig aus Rücksicht auf seine Familie, sagte dann jedoch laut mehreren Medienberichten zu.

Von Anfang an Härte

Für die New York Times gelten sowohl Podesta als auch Emanuel nicht als Politiker neuen, parteiübergreifenden Stils. Obama wolle von Anfang an Härte zeigen, schreibt das Blatt. Außerdem versuche er sicherzustellen, dass sich seine Administration nicht wie jene Clintons in der Übergangsphase bis Ende Jänner völlig verzettelt.

Zu den Hauptaufgaben des Transition-Teams gehört die Definition politischer Strategien, die Erstellung von Prioritätenlisten und vor allem die Zusammenstellung der neuen Regierungsmannschaft. Und das könnte bei Obama durchaus zu einer bunten Mischung führen. Gerüchteweise habe sich etwa Senator John Kerry, der 2004 das Rennen um die Präsidentschaft gegen George W. Bush verlor, aktiv um den Job des Außenministers bemüht. Das Politikportal politico.com berichtete, dass Obama auch überlege, evangelikale Christen in die Regierung zu berufen.

Obama selbst, der sich am Mittwoch einen Tag Pause gönnte und seiner Familie widmete, bekam am Donnerstag so wie auch sein Vizepräsident Joe Biden ein erstes Briefing der Geheimdienste. Präsident George W. Bush sagte seinem Nachfolger alle Unterstützung für die Transition-Phase zu.

Termin bei Laura Bush

Die künftige First Lady Michelle Obama wird sich indes bald den neuen Haushalt unter der neuen Adresse "1600 Pennsylvania Avenue" anschauen: Laura Bush lud sie und die Kinder Sasha und Malia ins Weiße Haus ein. Ein Termin für den Besuch werde demnächst vereinbart.

Witze von Berlusconi & Co

Und auch die US-Comedy-Branche befand sich in den vergangenen Tagen in einer Art Transitionsphase. Linksgerichtete US-Komiker spitzten schon ihre Bleistifte, um kritische und beißende Witze über den neuen Präsidenten zu reißen.

Italiens Premierminister Silvio Berlusconi legte ihnen etwas vor. Er bot seine Dienste zur Verbesserung des russisch-amerikanischen Verhältnisses an, in beiden Ländern sei eine junge Generation am Ruder, der russische Präsident Dmitri Medwedew sei ja „ebenfalls stattlich, gut aussehend und sonnengebräunt." Die italienische Opposition ist empört und verlangt eine Entschuldigung. Berlusconi lehnt dies ab, er habe nur nett sein wollen, die Kritiker seien Dummköpfe. (Christoph Prantner, DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2008)

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    Rahm Emanuel (links) wird von US-Politikern als "harter Hund" beschrieben. Er soll Barack Obama als Kabinettschef im Weißen Haus den Rücken freihalten.

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