Aufgebrochene Räume

5. November 2008, 23:06
posten

Ausstellungen von Giuseppe Armenia und Nirvana Paz in der Habres + Partner Galerie in Wien

Verschlungen sind die Wege des Labyrinths, aber nicht unbedingt verzweigt. Das Verirren ist daher nicht unbedingt und logisch daran geknüpft.

"Es ist doch wahr, alles ist ein Labyrinth. Das Leben ist ein Labyrinth", ächzt Giuseppe Armenia entnervt mitten in einem kurvigen Produktionsprozess. "Welchen Sinn hat es, Künstler zu sein im Zeitalter der Globalisierung?", setzt der in Turin lebende Künstler (geb. 1965) nach, stellt das Labyrinth in den Kontext existenzieller, unausweichlicher Fragen.

In Armenias jüngsten installativen Arbeiten taucht das Labyrinth daher als gedankliches Vehikel auf und schwingt sich - nur konsequent - als organisch anmutendes Eisen-Polyurethan-"Labirinto Vertical" in die Höhe, löst sich von der Bodenhaftung falscher Fährten. Dort in der Höhe strebt es bereits nach dem Durchbrechen der Raumgrenze ... Als schwarze Form taucht das Objekt in den labyrinthischen, oft Nachdenkprozesse begleitenden Kritzeleien ("labirinto dell'oblio") wieder auf und scheint in den unklaren Raumkoordinaten Richtungen und Auswege auszuweisen. Ein extravaganter Dialog, in dem sich allein das organische Labyrinth einer zigmal vergrößerten Mikroskopaufnahme eines Tropfens wie ein unschöner Knoten ausmacht, obgleich dieser in seinem bedrohlichen Gewuchere hübsch anzuschauen ist.

Sehr klare Raumkonzepte zeigen hingegen die Fotografien der Mexikanerin Nirvana Paz (geb. 1976), die im sogenannten Vis à vis ausstellt. Dennoch sind die urbanen Räume aufgebrochen, vielmehr aufgebogen vom extremen Weitwinkel des Objektivs, mit dem sie sich Mexiko City und seiner Bewohner annähert. Trotz der weiten Panoramen rücken die Personen nicht in Distanz, sondern wirkt der öffentliche Raum, die Bühne, auf der sie agieren, wie ein erklärender und auch schützender Rahmen. Paz offenbart auf diese Weise die Wechselwirkung zwischen den Bedingungen des öffentlichen, sozialen Raums und dem selbstbestimmten Handeln und Posieren. Bei Paz gibt es nicht die Momentaufnahme eines sich küssenden Pärchens, sondern ein Bild verstohlen ausgetauschter Zärtlichkeiten in den steinernen Fluchten einer Millionenstadt. "Um die Stadt zu verstehen, ist es wichtig, sie aus der Perspektive ihrer eigenen Charakteristika zu betrachten", beschreibt Nirvana Paz selbst ihren Zugang zu den urbanen Geheimnissen: von Puppenköpfen in Mistkübeln oder roten Ballons auf nächtlichen Plätzen. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.11.2008)

 

 

Habres + Partner Galerie, Hollandstraße 10, 1020 Wien, bis 22. 11.
www.nacpool.at

  • In der Fotoserie "Viviendo" zeichnet die mexikanische Künstlerin Nirvana Paz gleichermaßen das Porträt einer Stadt wie seiner Bewohner und legt darin auch die urbanen Strukturen ihres Miteinanders offen.
    foto: nirvana paz

    In der Fotoserie "Viviendo" zeichnet die mexikanische Künstlerin Nirvana Paz gleichermaßen das Porträt einer Stadt wie seiner Bewohner und legt darin auch die urbanen Strukturen ihres Miteinanders offen.

Share if you care.